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"Wer denkt denn heute noch abstrakt?"

"Wer denkt denn heute noch abstrakt?"

Um die Natur im Innern des Künstlers wie des Bildbetrachters geht es in der neuen Ausstellung in der Katholischen Akademie Trier. Dort sind Arbeiten von Jörg Munz zu sehen.

Trier. (er) "Nein, die Natur hat mir nie Angst gemacht". Jörg Munz antwortet ohne Zögern auf die Frage, ob sein Verhältnis zur Natur ebenso zwiespältig sei, wie das seiner romantischen Vorgänger, für die Natur gleichermaßen Bedrohung wie wiedergefundenes Paradies bedeutete. Der Maler aus Saarbrücken hat stattdessen die Geborgenheit des Bauerngartens seiner Kindheit in die städtische Existenz seines Erwachsenseins gerettet und in der eigenen Seelenlandschaft verinnerlicht.

Auch wenn er zuweilen mit Landschaftsfotos arbeitet, so ist aus dieser ganz persönlichen Erinnerungskultur des Künstlers doch ein Verhältnis zur Natur erwachsen, das sich weit weniger an der greifbaren Wirklichkeit orientiert als an den Innenwelten seines Kopfes und seiner Seele. "Natur III" heißt der Gemälde-Zyklus, den der 1960 geborene Maler neben einigen Objekten derzeit in der Katholischen Akademie Trier zeigt.

"Gefühl ist alles"- mehr als das berühmte romantische Wort ist eigentlich nicht zu diesen zartfühlenden, lichten Bildern zu sagen, die in ihrer abstrakten Bildsprache wie Echos auf die Landschaften im Inneren ihres Gegenübers antworten. Die besten dieser Bilder sind die neuesten. In ihnen schafft Munz leuchtende, zuweilen tröstliche Farbklänge und eine wunderbare Transparenz, so wie in jener Regenstimmung, die eine ganze Seelenpartitur beinhaltet.

"Wer denkt denn heute noch abstrakt?". Mit der bitteren Frage des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel hatte Akademiedirektor Jürgen Doetsch die Ausstellung eröffnet.

Zumindest eine Antwort ist klar: die Seele, die sich bereitwillig und offen auf Bilder einlässt.

Bis 13. Oktober, tägl. 8-18 Uhr, Tel.: 0651/ 8105-232, www.kath-akademie-trier.de