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"Wer nicht glücklich ist, fliegt raus"

"Wer nicht glücklich ist, fliegt raus"

TRIER. Luxemburger greifen nach der Macht: Sie und ihre eigentümliche Beziehung zu Trier stehen im Mittelpunkt des Stücks "Eitopomar" von Jean-Paul Maes. Triers Oberspielleiter Klaus-Dieter Köhler inszenierte die Uraufführung eindrucksvoll im Studio des Trierer Theaters.

Äußerst skurril und grotesk ist das, was der Luxemburger Autor Jean-Paul Maes als siebte Uraufführung für die Reihe "Trierer Persönlichkeiten" erdacht hat: "Eitopomar oder Die Wasserspiele von Trier" heißt sein Stück, ist eigentlich eine Farce und wird in der Inszenierung Klaus-Dieter Köhlers zusätzlich mit einem gehörigen Schuss Verruchtheit (Kostüme: Carola Vollath) aufgepeppt.Eitopomar - das ist jener sagenhafte Staat, den der geniale Verbrecher Dr. Mabuse im brasilianischen Dschungel errichten will. Doch was hat Mabuse mit Luxemburg und Trier zu tun? Ganz einfach: Mabuse-Autor Norbert Jacques (1880 - 1954) stammte aus dem Großherzogtum, und nach dem Scheitern im Urwald versucht er seinen Idealstaat unter diktatorischer Führung im Trier von heute zu realisieren.Ständige Wechsel der Identität

In einer düsteren Kneipe erwartet er daher einen besonderen Gast: den von ihm Auserwählten, der mit Kellnerin Saskia die Nachkommenschaft für das "zweite Eitopomar" zeugen soll. Absurd? Gewiss! Doch es kommt noch abstruser: Nicht nur, dass Jacques ständig mit seiner Romanfigur Mabuse verschmilzt; auch in dem vom Trierer Regen durchnässten Kneipenbesucher erkennt er gleich mehrere be - und zunächst ver kannte Luxemburger: so zum Beispiel den Dorfpfarrer Peter von Aspelt - der Anfang des 14. Jahrhunderts zum Erzkanzler des deutschen Reiches aufstieg - oder den Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg (†1354). Nicht zu vergessen den Staatsanwalt Wenk, den erbittertsten Mabuse-Jäger. Alles klar? Wohl kaum. Autor Maes treibt das ständige Wechseln der Identitäten auf die Spitze. Daher ist das informative Programmheft dringend nötig. Doch ansonsten bietet die 80-minütige Aufführung gelungene Unterhaltung.In witzigen Formulierungen bekommen sowohl Trierer als auch Luxemburger ihr Fett weg. Und letztlich tanzen gar Walt Disneys Micky Mäuse um die Kneipentische. "Disneyworld ist eine moderne Diktatur" - und so ist der Bezug zu Dr. Mabuses diktatorischem Idealstaat hergestellt: "Wer nicht glücklich ist, fliegt raus."Michael Rasche gibt Dr. Mabuse als Wahnsinnigen, der von seiner Utopie besessen ist. Den Gast spielt Markus Angenvorth als einen vom Geschehen Überrumpelten. Er kann nicht fassen, was ihm widerfährt. Eva Steines als Saskia ist Mabuse unterwürfig ergeben, zeigt gegenüber dem Gast ihre Verführungskunst. Übrigens: Früher kommen lohnt sich, denn die Besucher erwartet in schummriger Bar-Atmosphäre ein delikates Vorprogramm.Termine: 14., 16., 18., 27., 31.Mai, Karten: Tel. 0651/718-1818. jöl/no