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Wer soll das bezahlen?

Wer soll das bezahlen?

Die letzte Ruhe ist auch nicht mehr das, was sie mal war - ungestört. Jedenfalls für einige Zeitgenossen, deren Zeit abgelaufen ist.

Das muss jetzt auch Salvador Dalì erfahren (siehe TV vom 20. Juli). Ein Richter in Madrid hatte im Juni die Exhumierung des Malers angeordnet, um eine Vaterschaftsklage zu klären. Eine Frau aus der Stadt Gerona war vor Gericht gegangen. Sie versichert, ihre Mutter habe Mitte der 1950er Jahre eine heimliche Liebesbeziehung zu Dalí gehabt. Nun ja. Mag ja sein. Und wenn dem so ist, spielt vielleicht auch eine Menge Geld eine Rolle. Oder will sich die Dame nur damit schmücken, illegitime Tochter eines exzentrischen Künstlers zu sein? Das erstgenannte Motiv klingt irgendwie einleuchtender. Unter größter Geheimhaltung und abgeschottet von der Öffentlichkeit entnahmen Gerichtsmediziner DNA-Proben, um die Behauptung der vermeintlichen Tochter bestätigen beziehungsweise als Wunschdenken entlarven zu können. Die Aktion dürfte laut Medienberichten die ganze Nacht dauern, da das Grab von einer eineinhalb Tonnen schweren Marmorplatte bedeckt ist. Damit nichts über den Zustand des einbalsamierten Körpers Dalís an die Öffentlichkeit dringt, soll unter anderem auch die Glaskuppel des "Theater-Museum Dalí", unter der der Leichnam in einer Krypta ruht, abgedeckt werden, berichtete das spanische Fernsehen. Also, Paparazzi aller Länder: Ihr könnt zu Hause bleiben. Das Ergebnis der DNA-Abgleichung werde vermutlich frühestens in einem Monat vorliegen, heißt es. Und am heutigen Freitagmorgen will die Gala-Salvador-Dalí-Stiftung bei einer Pressekonferenz Details bekanntgeben, die sich - wen wundert's? - bis zuletzt gegen die Exhumierung gewehrt hatte. Mal eine naheliegende Frage: Wer zahlt das eigentlich alles? Die Stiftung, wenn der Künstler tatsächlich seitengesprungen ist? Spanien, dem Dalì seinen gesamten Besitz vermacht hat? Oder die auftraggebende Dame, falls sich herausstellt, dass ihre Behauptungen oder Vermutungen nur heiße Luft waren? Apropos zahlen: Da wird auch der neue Salzburger Festspielchef Markus Hinterhäuser ziemlich knauserig, zumindest, wenn es um Opern-Uraufführungen geht. "Ich halte wenig von dieser Intendantenstatistik: Man ist erfolgreich, wenn man soundsoviel neue Opern gebracht hat. Diese Form des Ritterschlags erschließt sich mir nicht", sagte der Theaterleiter in einem dpa-Interview. Auftragsopern seien nicht "das Alleinseligmachende". Das sehen die Komponisten hierzulande und weltweit naturgemäß anders (wie viele gibt es eigentlich, die mit dem Komponieren von Opern ihre Brötchen verdienen?). Andererseits: So ganz unrecht kann Hinterhäuser ja nicht haben. Oder kennen Sie eine Oper aus den, sagen wir mal, vergangenen 20 Jahren, die sich zu einem Hit auf den Bühnen sämtlicher Opernhäuser entwickelt hat und deren Arien Ihnen nicht mehr aus dem Ohr gehen? Ja, ja, natürlich ist das eine ziemlich schlichte Argumentation und geradezu kultur- beziehungsweise opernfeindlich oder zumindest opernunfreundlich. Aber selbst vom "Rosenkavalier", der letzten wirklich erfolgreichen "Publikums"-Oper des 20. Jahrhunderts und immerhin schon 106 Jahre alt, kann der musikalische Laie doch bestenfalls den Walzer summen, der Rest der Partitur ist einfach zu kompliziert. Allerdings ist Hinterhäuser nicht so starrköpfig, wie sich das zunächst angehört hat: "Wenn ich einen Komponisten oder eine Komponistin gefunden habe, für die ich mich begeistere und wenn ich weiß, warum wir das machen", werde er sofort den Vertrag für eine Auftragsoper unterschreiben. Es besteht also weiterhin Hoffnung - selbst für Salzburg. no/dpa