Werke von Jin-Sook Chun im Kunstraum Wittlich

DIE KULTURMACHER : Unterwegs im Traumland der Kinder

Seit diesem Jahr gibt es in Wittlich den „Kunstraum“. Warum sich die neue Ausstellung besonders lohnt.

„Wenn Kinder schlafen sind sie wie Engel“, hatte sie unlängst in Trier gesagt. Die Entrücktheit des kindlichen Schlafs fasziniert Jin-Sook Chun seit jeher. Immer wieder gerät sie aufs Neue ins Staunen, wenn sie die träumende eigene kleine Tochter betrachtet, die inzwischen ihr Lieblingsmodell ist. Jetzt widmet der Kunstraum Wittlich der Koreanerin, die in Köln lebt, eine Einzelausstellung. Eine Unbekannte ist die Künstlerin, die an der Seoul-Frauen-Universität wie an der Kunstakademie Düsseldorf studierte, hierzulande nicht. Arbeiten von ihr waren bereits in der Trierer Galerie Junge Kunst aufgefallen. Einmal mehr ist es das phantastische Land der Kindheit, das die Malerin in den wichtigsten Arbeiten der Wittlicher Schau thematisiert. In Jin-Sook Chuns stimmungsvollen Kinderbildern, die fest in der kunstgeschichtlichen Tradition verankert sind, werden gleichermaßen mütterliche Zuneigung wie Sorge deutlich. Berührend machen die traumverlorenen Kinderporträts zudem die Ambivalenz der Kindheit sichtbar mit ihren heiteren wie dunklen Aussichten, die sich als noch  unbekannte Zukunft in ihr verbergen. Allerdings – auch das wird in Jin-Sook Chuns Gemälden deutlich – sind es auch die Kinder selbst, die mit ihrer Fähigkeit zum Wunderbaren und Phantastischen vermögen, im Dunkel das Licht zu entdecken und hinter der Helligkeit Bedrohliches zu ahnen. Neuerlich weisen die Wittlicher Gemälde die Künstlerin als feinsinnige Poetin aus. Das gilt auch für ihre Blumen-Motive. Nun könnte das Ganze furchtbar schwermütig werden, bliebe die feine Melancholie der Gemälde nicht wunderbar unwirklich, längst entfernt aus jeder belastenden Realität. Jin-Sook Chun romantisiert ihre Bildwelten, ohne sie als Weltwirklichkeit fassbar zu machen. Sie bleiben im besten Sinn flüchtig, eben jener „weite Hauch“, den der Titel einer Werkgruppe der Malerin benennt. Nicht zuletzt liegt das an der Malweise. Für ihre Gemälde legt die Künstlerin mehrere feine Schichten Pigmentfarbe auf einem groben Leinengewirk übereinander. Auftrag und Textur der Farbe machen ihre Bilder leicht und scheinbar durchlässig. Jin-Sook Chun gehört quasi zu den Ausstellungspionieren des Kunstraums, der seit Mai dieses Jahres als Galerie Wittlich bereichert. Das Ladenlokal in der Fußgängerzone der Burgstraße hatte leer gestanden. Für den kunstaffinen Hauseigentümer Klaus Brendle eine willkommene Gelegenheit, ihn der Kunst zu widmen. „Ich bin seit Langem Sammler“ sagt der aus München stammende Galerist, der inzwischen in Reil wohnt und in seinem sozusagen ersten Leben mit Datenverarbeitung beschäftigt war. Um sich auf dem Laufenden zu halten und um Künstler zu entdecken, die in sein Galerieprogramm passen, ist der umtriebige Galerist unermüdlich unterwegs, ob in Venedig bei der Biennale oder zu Atelierbesuchen. Auch Jin-Sook Chun hatte er nach einer Empfehlung  im Atelier aufgesucht. Grundsätzlich gilt für Brendles Ausstellungspolitik: „Ich zeige nur, was mir gefällt“. Was sich derart qualifiziert wird in Einzelausstellungen oder Gemeinschaftsausstellungen, den so genannten „Intermezzi“, gezeigt. Bis jetzt ist Kunstliebhaber Brendle mit der Resonanz bei Künstlern und Publikum zufrieden: Ohnehin weiß der Galerist: „So ein Projekt braucht zur Entwicklung Zeit“.

Bis 31.1., Fr, Sa 10 - 17 Uhr und nach Vereinbarung Mobil  0174/9629673