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Werkschau eines Universalgenies

Werkschau eines Universalgenies

Mehr als zwei Stunden lang haben Elvis Costello und seine Band The Imposters mit 1000 Zuschauern im Innenhof der Luxemburger Abtei Neumünster eine Reise durch das musikalische Gesamtwerk des britischen Musikers unternommen. Es war eine Show, die mit Abwechslung, Individualität und Dynamik fesselte.

Luxemburg. Elvis Costellos Namen umweht eine Aura des Kultigen und ein musikalisches Mysterium. Wofür dieser Mann steht, der nie Chartstürmer und trotzdem über Jahrzehnte erfolgreich war, lässt sich nicht einfach einordnen. Ihn auf eine Galionsfigur des New Wave zu reduzieren, wäre viel zu kurz gegriffen, das bringt er beim Konzert in Luxemburg fulminant rüber. Cool und verschmitzt tritt der 59-Jährige im Sakko, mit dunkel gerahmter Brille und Hut auf, verströmt sofort ungeheure Präsenz auf der Bühne.
Ohne überflüssige Worte zu verlieren, lässt er Schlag auf Schlag hochenergetische Kost vom Stapel. Zum Aufheizen gibt\'s Rock \'n\' Roll, Rock und New Wave, getragen von kräftigen Beats, markanten Bassläufen, fetzigen Piano-Sequenzen und natürlich Costellos Gitarrenspiel und Gesang. Dort ist seine charakteristisch heisere, timbrierende Stimme sicher, bei ruhigeren Stücken liegt sie aber zuweilen ziemlich daneben. Bestenfalls sorgt das für einen Charme des Gebrochenen wie in "New Lace Sleeves", einem Popsong, der vom Charakter her ein wenig an "Ruby Tuesday" von den Stones erinnert. Schlimmstenfalls, wie im melancholischen "Country Darkness", wirkt es einfach nur sperrig. Aber es gibt auch Ausnahmen, da hat die gewollte oder ungewollte Schräglage einen besonderen Reiz. In "She", einer Charles-Aznavour-Chanson-Adaption aus dem Soundtrack von Notting Hill, bildet sie den kitschfreien Gegenpol zum romantischen Steinway-Flügel-Solo.
Die stilistische Bandbreite ist enorm, reicht von Rock, Blues, Country, Reggae, leichten Ska-Anklängen bis hin zu angejazztem Swing. Costello und seine famosen Begleiter Steve Nieve (Piano, Keyboard), Pete Thomas (Drums) und Davey Faragher (Bass) geben all dem eine höchst individuelle Note - packend, aber nie leicht eingängig. Costello selbst sorgt mit Effektspielereien auf seinen Gitarren immer wieder für einen Hauch von Punk. Das ist genauso faszinierend wie seine ungebrochene Dynamik. Nachdem er schon über neunzig Minuten nonstop gespielt hat, hängt er als Zugabe mal eben noch zwölf Stücke dran. Seine tanzende und klatschende Fangemeinde dankt es mit donnerndem Applaus. ae