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Wertvolle Riesenbibel nach 200 Jahren zurück in Trier

Dank eines Mäzens : Unbezahlbares Werk zurück in Trier: „Ein einmaliger Glücksfall“

Neues Highlight in der Schatzkammer der Stadtbibliothek: Die „Maximiner Riesenbibel“ gilt nicht nur wegen ihrer Ausmaße und der aufwendigen Illustrationen als ein Meisterwerk des frühen 16. Jahrhunderts. Wie die Stadt Trier kostenlos an das Werk kam – und was die drei Bibelbände von allen anderen abhebt.

Handarbeit ist im Trend, auch in Made-in-China-Zeiten. „Manufaktur“ nennt sich heute gerne jeder zweite Imbiss, selbst wenn manuell dort nur Tiefkühl-Pommes in die Fritteuse geschüttet werden. Eine viel ernsthaftere, bleibende Form der Manufaktur war vor 500 Jahren in der Abtei St. Maximin zu erleben. Eine, die damals nicht ganz dem Zeitgeist entsprach. Während Abteien wie in St. Matthias längst ihr Skriptorium abgeschafft hatten – schließlich war der Buchdruck längst erfunden – wurde in St. Maximin 15 Jahre lang von Hand geschrieben, künstlerisch illustriert, zudem dort auch noch aktuelle Trierer Stadtgeschichte untergebracht – alles in der „Maximiner Riesenbibel“.

Drei Bände im majestätischen Format, etwa 40 mal 60 Zentimeter, 716 Seiten. Sie ist eine der letzten großen Prunkbibeln. Ein echtes Renommier-Objekt, weit jenseits von Gutenberg-Bibel-Dimensionen. Warum die ganze Mühe? Weil es sich St. Maximin leisten konnte – und wollte. „Die Abtei war damals enorm erfolgreich, sie prosperierte“, sagt Prof. Michael Embach, Direktor der Wissenschaftlichen Bibliothek. Die Riesenbibel sei auch ein Ausdruck dessen – nicht zuletzt aus Repräsentationsgründen entstanden: „Sie wollten eine künstlerisch hochwertige Bibel nach altem Brauch“.

Und das Prachtstück ist nun wieder zu Hause. Nach der Auflösung der Abtei St. Maximin durch die Säkularisation im Jahr 1802 blieb „einer der Höhepunkte südwestdeutscher Buchkunst“ (Triers Kulturdezernent Markus Nöhl, SPD) für über 200 Jahre fern der Heimatstadt. Mal in Mainz, lange in der British Library in England. Als das kostbare Werk 2006 in einer Auktion angeboten wurde, war die Stadt Trier finanziell weit davon entfernt, es zurück an die Mosel zu bringen. Dort ist die „Maximiner Riesenbibel“ aber nun doch wieder dauerhaft angekommen, in der Schatzkammer der Stadtbibliothek Weberbach. Wie es dazu kommt? Nöhl spricht von einem „einmaligen Glücksfall“: Der private Besitzer des kostbaren Werks – zum Schätzwert kann Embach keine genauen Angaben machen – hat die Bibel der Stadt als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Man sei dem Spender sehr dankbar, sagt Nöhl. Namentlich genannt werden wolle er nicht.

Die prachtvollen Bände von majestätischem Format sind aus privatem Besitz nach Trier zurückgekehrt.
Die prachtvollen Bände von majestätischem Format sind aus privatem Besitz nach Trier zurückgekehrt. Foto: dpa/Harald Tittel

Die Maximiner Riesenbibel liegt in drei Vitrinen der Schatzkammer und ist öffentlich zugänglich. Dort befinden sich in unmittelbarer Nähe weitere historische Schätze: Der Codex Egberti, der älteste erhaltene deutsche Bildzyklus zum Leben Jesu (entstanden 980-993 in Reichenau), gehört seit 2003 zum Weltdokumentenerbe der Unesco. Bibliotheksdirektor Embach ist zuversichtlich, dass im Frühjahr 2023 auch das Ada-Evangeliar in die Unesco-Liste aufgenommen wird, entstanden in den Jahren zwischen 790 und 810 – als herausragendes Beispiel für eine karolingische Bilderhandschrift aus der Hofschule Karls des Großen. Der Antrag auf Aufnahme ins Weltdokumentenerbe ist bereits 2018 gestellt worden.