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Jury überzeugt
Mit Bass, Akkordeon und Gitarre ins Finale

 Qualifiziert fürs Finale: Tanja Silcher und Benedikt Schweigstill ...
Qualifiziert fürs Finale: Tanja Silcher und Benedikt Schweigstill ... FOTO: Daniel John
Freudenburg. Die ersten Finalisten des Liedermacher-Wettbewerbs „Sing a Song“ stehen fest: Zwei Frauen überzeugten die Jury im Ducsaal in Freudenburg. Von Daniel John

„Manchmal, da bin ich mutig; da habe ich Gedanken, die sind blutig.“ Zum Glück kommt es im Freudenburger Ducsaal aber nur fast zum Massaker, denn Tanja Silcher bedient den Kontrabass wesentlich sicherer als die Kettensäge, von der ihr Lied handelt. Dennoch: Mit der Geschichte der Rachegelüste einer betrogenen Ehefrau liefert sie den wohl unkonventionellsten Beitrag im ersten von drei Vorentscheiden des Liedermacher-Wettbewerbs „Sing a Song!“ der Dieter-Lintz-Stiftung. Unkonventionell auch die Instrumentierung mit ihrem Kontrabass und dem Akkordeon, das von Benedikt Schweigstill – in der Region vor allem als Jazzpianist bekannt – gespielt wird. Und weil Tanja Silcher auch anders kann und ganz poetisch das Meer besingt, das die Seele streichelt, steht das Urteil der Jury fest: Finale!

Die Gewinnerin kann ihr Glück selbst kaum fassen: Denn obwohl sie schon länger ihr Geld als Berufsmusikerin verdient, hat sie mit der Liedermacherei erst vor acht Monaten angefangen. Eine Anfrage für einen Auftritt am 15. Juni, dem Finaltermin, hatte sie aber trotzdem vorsorglich schon abgelehnt. Nur ihren Urlaub, den wird sie dafür unterbrechen müssen.

„Ich möchte nicht mit euch tauschen“, hatte Moderator Achim Weinzen der Jury mit auf den Weg gegeben, denn die Entscheidung, wer von den drei Duos und drei Solisten ins Finale einziehen darf, war nicht einfach. Erleichtert wurde es dadurch, dass zwei Plätze zu vergeben waren. Das zweite Ticket sicherte sich mit Julia Faber die jüngste Bewerberin. Den Ausschlag zu ihren Gunsten dürfte auch gegeben haben, dass sie am besten dem Motto der Dieter-Lintz-Stiftung „Talente fördern – Menschen verbinden“ gerecht wird. Mit ihren 18 Jahren ist sie sicher noch nicht ausgereift, aber ohne jeden Zweifel ein großes Talent mit viel Potenzial. Und sie erzählt bewegende Geschichten wie von einem Asylbewerber, dessen kleine Tochter in seinem Heimatland an Diabetes starb, weil er sie nicht nach Deutschland holen durfte.

Rebecca Lintz, Tochter des Stiftungsgründers und ehemaligen Volksfreund-Kulturredakteurs Dieter Lintz (1959–2014), betont in ihrer Funktion als Sprecherin der Jury aber: „Alle waren gut.“ Aber nicht alle können eben ins Finale.

Die Messlatte für die kommenden Vorentscheide am 10. Mai (Mergener Hof Trier) und 25. Mai (Alte Synagoge Schweich) liegt jedenfalls hoch nach einem Abend mit so unterschiedlichen Beiträgen, dass ein Vergleich und eine objektive Rangfolge kaum möglich ist. Hörenswert ist in jedem Fall auch, was die Kandidaten zu bieten haben, die es nicht ins Finale geschafft haben: Jürgen Trunczik zum Beispiel, der im Gegensatz zu Julia Faber kein Newcomer ist, sondern schon 1984 seinen ersten Auftritt im Ducsaal hatte, zieht sich jedes Jahr eine Woche in eine Hütte zurück und schreibt dort seine „Hüttenlieder“, klassische Liedermacherstücke, begleitet im Fingerpicking-Style auf der Gitarre. Frank Friedrichs gibt eine poetische Anleitung zum guten Leben und singt von seiner Heimkehr ins Saarland nach vier Jahren im Frankfurter Exil.

Da nur Solisten oder Duos antreten dürfen, präsentiert sich Back­stage mit Sebastian Opitz und Christopher Marzi als Zwei-Viertel-Band. Mit englischen Texten stehen sie weniger in der deutschen Liedermachertradition, sondern haben ihre Vorbilder von Johnny Cash bis Bruce Springsteen im Bereich Rock, Country und Folk. Cece Baker – Carina Lüttke und Chris Schroers – präsentieren auf Englisch ein Liebeslied an ein ungeborenes Kind und ermutigen in „Pausenbrot“: „Zeig der Welt, was du willst und was du kannst.“ Und genau das haben alle Künster an diesem Abend auf ganz persönliche Weise getan und damit Vorfreude auf die kommenden Veranstaltungen geweckt.

 ... sowie Julia Faber.
... sowie Julia Faber. FOTO: Daniel John