Whale vs Elephant: Elektronische Klänge aus Trier

Musik : Zwischen Wohnzimmer und „Fusion“

Zarte Elektronik und mehr: Trierer Projekt wird auch auf großen Festivals gefeiert.

Welchen Anteil die Musik ausmacht im Leben von Tobias Braun, das lässt sich eher nicht in Prozenten messen. Aber in seinem Ein-Zimmer-Apartment bekommt man einen Eindruck. Die eine Hälfte: Bett, Schrank, Kochnische. Keine Deko, kein Schnickschnack. Das ist die Existenz. Das Leben spielt sich in der anderen Hälfte des Raums ab, mit Blick auf den Wald unterhalb der Mariensäule, die kreativen Freiräume des 35-Jährigen, der sich unter dem Namen Whale Vs Elephant mit wechselnden Gastmusikern einen Namen gemacht hat: Hier entstehen Gitarrenmelodien, hier bastelt Tobias Bauer an Beats, dreht an Filtern, nimmt Synthesizer auf dem Computer auf. Zarter Frauen-Gesang kommt im Studio hinzu, auch akustische Instrumente hat er gerne in seinen Stücken – etwa Geigen oder Xylophone. Das Ganze klingt dann entspannt elektronisch, mit Ambient- und Indie-Folk-Einflüssen. Vor wenigen Tagen ist die neue EP „Lighthouse“ beim norddeutschen Label 3000 Grad Records erschienen.

„Vor zehn Jahren habe ich mit dieser Art von Musik angefangen, als ich ein halbes Jahr in Reykjavik lebte“, sagt er. Angefangen hatte er mit 17, 18 Jahren als Bassist. Island hat nicht nur eine – gemessen an der Einwohnerzahl – beeindruckende Musikszene, das Land steht auch für einen eigenen Sound. Nicht nur Sigur Ros hat bei Tobias Braun Spuren hinterlassen. Er trat in Island auf, arbeitete mit verschiedenen Musikern zusammen. Und längst nicht nur dort. Reisen, um Musik zu machen – das umschreibt den aus Merzig stammenden Mann mit dem Faible für tonnenschwere Säugetiere. „Ich war länger in Georgien, in Russland und Schweden“, sagt er. Zwei Jahre lebte er in Berlin, bis er die „Schnauze voll“ davon hatte – vor allem von den schwierigen Bedingungen für Musiker. „In Trier muss man die Sachen selbst auf die Beine stellen – aber es ist leichter als in großen Städten.“ So ist er Mitveranstalter des „Melodica“-Festivals im Frankenturm (mit der Kulturkarawane). Kleine, intime Konzerte seien ihm als Musiker am liebsten: „Ich mag Wohnzimmerkonzerte und Auftritte in kleinen Cafés, wo ich nah am Publikum bin. Ich mache Musik, um Menschen zusammenzubringen, um Eis zu brechen, in Kontakt zu kommen. Es geht nicht um mich, sondern ich will eine Atmosphäre aufbauen.“ Das Materielle interessiere ihn überhaupt nicht, das bestätigt ein 360-Grad-Blick durchs Apartment – auch wenn der gelernte Erzieher (arbeitet in Teilzeit) nichts dagegen hätte, ganz von der großen Leidenschaft Musik leben zu können. Sein Radius beschränkt sich schließlich nicht auf die Wohnzimmer und kleinen Bühnen. Zum zweiten Mal wurde Whale Vs Elephant bereits für das aktuell wohl bedeutendste Elektro-Festival in Deutschland gebucht. „Stimmt, das war auch schön, vor 2000 Leuten auf der ‚Fusion’ zu spielen“, sagt er auf Nachfrage. Zu sehen sein wird Whale Vs Elephant (mit Sängerin Janine Wagner) in Trier wieder am 1. November – in der Reihe „Lieblingskonzerte“ im Café Liebling: „Wir erheben keinen Eintritt. Die Konzerte sollen für jeden zugänglich sein, unabhängig von der Herkunft oder vom sozialen Status.“ Um Spenden werde aber ausdrücklich gebeten, um fair gegenüber den Künstlern zu sein und die Musikreihe etablieren zu können.

Andreas Feichtner

Nächstes Konzert: Whale Vs Elephant (mit „Komparse“/Köln), 1. November, Café Liebling, Trier, Rindertanzstraße)

Mehr von Volksfreund