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Interview Konstantin Wecker
„Widerstand war Party“

Konstantin Wecker, Liedermacher und Musiker, kommt mit seinem aktuellen Trio-Programm am 4. Oktober in die Europahalle in Trier.
Konstantin Wecker, Liedermacher und Musiker, kommt mit seinem aktuellen Trio-Programm am 4. Oktober in die Europahalle in Trier. FOTO: TV / THOMAS KARSTEN
Trier. Der Liedermacher spricht im TV-Interview über Politik und aktuelle Musik.
Patricia Fee Prechtel

Poesie ist Widerstand. Liedermacher Konstantin Wecker will auch mit 71 Jahren nicht mit seiner politischen Meinung hinterm Berg halten. Am 4. Oktober kommt er mit seinem aktuellen Trio-Programm nach Trier.


Herr Wecker, was erwartet Ihre Besucher in Trier?

WECKER Ein Bühnenprogramm, das geprägt ist von Wut und Zärtlichkeit, Mystik und Widerstand - und immer auch von der Suche nach dem Wunderbaren. Eine Suche, die Mut macht. Und Hoffnung. Denn wer in die Lieder eintaucht, wird schnell erkennen, dass es durchaus eine Welt ohne Grenzen geben kann.

Sie sind seit Jahrzehnten als Liedermacher aktiv. Ist die Musik, die heute für junge Generationen gemacht wird, nicht mehr so politisch wie früher?

WECKER Ich kenne mich in der jungen Musikszene nicht mehr so gut aus. Aber ich habe einen 18-jährigen Sohn, der auch politisch sehr engagiert ist, der mir Links sendet, wenn er was Spannendes entdeckt hat. Auch die Künstler in meinem Label „Sturm & Klang“ sehen sich als Liedermacher und wollen diese Tradition weiterführen. Ich versuche, ihnen auf den Weg zu geben, dass sie wegen des Liedes singen sollen, nicht weil sie berühmt werden wollen. Man muss viel lesen, denn nur dann kann man auch schreiben. Ich empfehle zum Beispiel immer wieder, Erich Kästner zu lesen.

Auf der anderen Seite ist in den Charts momentan das Lied „Bella Ciao“. Das alte Partisanenlied wird in den Clubs gespielt.

WECKER Ich finde es schön, dass das Lied derzeit ein Hit ist, auch wenn viele den Inhalt gar nicht kennen (lacht).

Was lesen Sie momentan?

WECKER Zurzeit vor allem Bücher über die Weimarer Republik und das Dritte Reich. Vor einiger Zeit hatte ich ein Gespräch mit einem Holocaust-Überlebenden, der eindeutig vor der aktuellen Situation gewarnt hat. Es erinnert gerade so vieles an die Geschehnisse von damals.

Zu dem Protestkonzert unter dem Hashtag „Wir sind mehr“ kamen 65 000 Menschen. Welche Macht hat so eine Veranstaltung Ihrer Ansicht nach?

WECKER Was Chemnitz angeht, hört man ja immer wieder den Vorwurf, dass dies eine Party gewesen sei. Aber ich finde es großartig! Widerstand zu zeigen ist ganz wichtig. Und dann ist es auch egal, ob man es mit einer Party macht. Und gerade ich als 68er finde es gut (lacht). Damals war alles Party – Widerstand war Party. Widerstand war ein Lusterlebnis! Denn das Leben ist lebenswert, und man verspürt nur dann Lebensfreude, wenn man das Herz öffnet.

Also hat Musik Macht?

WECKER Sie hat die Kraft, Menschen zu ermutigen. Vor kurzem habe ich von einem älteren Herrn eine Mail bekommen, in der er schrieb, dass er sich mit seiner politischen Meinung alleine fühle. Dann war er in einem meiner Konzerte und schrieb, dass er an diesem Abend Mut bekommen habe, weiterzumachen. Kunst kann also ermutigen. Und Mut ist das, was wir in dieser Zeit dringend benötigen.
Das hat eine gegenseitige Wirkung, denn auch mein Publikum gibt mir Kraft. Wäre ich alleine, ohne mein Publikum, würde ich wahrscheinlich zum Zyniker werden. In einer Diktatur sind es nicht umsonst immer die Poetinnen und Poeten, die als Erstes ausgeschaltet werden sollen. Kultur ist gerade in Zeiten wie diesen sehr wichtig.

Wer wird Sie in Trier begleiten?

WECKER Neben meinem langjährigen Bühnenpartner und Alter Ego am Klavier, Jo Barnikel, ist auch Fany Kammerlander dabei. Die Ausnahme-Cellistin, die mit ihrem Spiel sowohl in der Klassik- als auch in der Popwelt zu Hause ist, steht schon seit längerem mit mir auf der Bühne.

Kommen Sie gerne nach Trier?

WECKER Ja, denn es ist eine schöne Stadt. Meistens kommt die Erinnerung an vorherige Auftritte, wenn ich in der Stadt bin und in die Garderobe komme oder die Bühne sehe (lacht). Ich bin schon lange und sehr oft in ganz Deutschland unterwegs, und in Trier bin ich immer wieder sehr gerne.

Die Fragen stellte Patricia Prechtel

Konstantin Wecker, Fany Kammerlander und Jo Barnikel als Trio am 4. Oktober um 20 Uhr in der Europahalle Trier.
Karten gibt es im TV-Service-Center Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199–996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets