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Wie ein Eifeler einst Michael Ende überraschte - Regionale Autoren und Verleger stellen auf der Frankfurter Buchmesse aus

Frankfurt/Birresborn/Trier. Eifel-Krimis, Tawern-Thriller und Totenmaar-Legenden gehören zur Frankfurter Buchmesse 2016 wie der neue Harry-Potter. Verleger und Autoren aus der Region Trier präsentieren sich mit ihren Werken - und so manch einer hat auf dem Weg zum Autor schon verrückte Geschichten erlebt. Florian Schlecht

Frankfurt/Birresborn/Trier. Ein Mädchen sitzt versteckt zwischen zwei Regalen und vergräbt ihr Gesicht förmlich in ein Buch. Einen Gang weiter philosophiert Richard David Precht darüber, warum Menschen mehr Mitgefühl im Umgang mit Tieren haben sollen. Schmökern, stöbern, staunen - darum geht es auf jedem Meter bei der Frankfurter Buchmesse. Auch die Autoren und Verleger aus der Region Trier müssen sich dabei nicht verstecken. Der TV hat sie in Frankfurt besucht - und sie nach ihren persönlichen Geschichten zur Buchmesse befragt.

Im Fernsehen mit Michael Ende: Einmal war Christian Humberg mit Michael Ende im japanischen Fernsehen zu sehen. Schon als Schüler trollte der Eifeler Autor auf der Buchmesse rum. "Autogramme sammeln war das einzige, was mich damals interessiert hat." Irgendwann entdeckte er Ende, den Autor der "Unendlichen Geschichte". Humberg rannte zu ihm, hielt ihm Buch und Stift hin und sagte: "Bitte, bitte!"
Ende habe gelächelt, brav unterschrieben und mit ihm über die Verfilmung seines Werkes gesprochen, das er gar nicht so gut gefunden habe. Plötzlich schaute Humberg in entsetzte Gesichter - ein japanisches Fernsehteam steckte gerade mitten im Interview mit Ende. "Die waren ganz schön sauer."
Mittlerweile schreibt der 39-Jährige aus Birresborn lieber an Legenden. Alte Sagen aus der Eifel verarbeitet er in Jugendgeschichten. Wie die Story vom Totenmaar, das angeblich ein Schloss verschluckt hat. "Die Geschichten hat mir schon meine Großmutter erzählt, ich will sie nun wieder in die Herzen der Kinder zurückbringen." Und in die der Messebesucher.

Erst unbekannt, jetzt ein Star: Vom Computer-Experten zum Thriller-Bestseller: 800 000 Bücher von Arno Strobel haben sich bereits auf dem deutschen Markt verkauft. Wenn er in seinem Büro in Tawern schreibt, tüftelt er an Nervenkitzel. Doch der Weg auf die Buchmesse war kein leichter für ihn, sagt er. Als er vor Jahren einen Vatikan-Thriller veröffentlicht hat, habe ihn in Frankfurt kein Mensch gekannt. "Ich bin gar nicht wahrgenommen worden." Nun, neun Jahre später, führt er bei der Messe reihenweise Interviews, schreibt Autogramme. Strobel hat Termine und alle Hände voll zu tun. Doch er lacht dabei fröhlich. "Es ist Arbeit, fühlt sich aber wie ein Hobby an."

Die Trierer wussten es schon lange: Bob Dylan hat ein "noch nicht dagewesenes Maß an dichterischer Sprache". Geschrieben hat das der verstorbene Trierer Autor Walter Liederschmitt - und das schon vor Jahrzehnten. Für den Trierer Verlag "edition trèves" schrieb er eine Gesamtausgabe über das Schaffen des US-Künstlers. Nun, da Dylan Literaturnobelpreisträger ist, hat der Verleger eine Neuauflage des 450-Seiten-Werkes herausgebracht. Das stellt Rainer Breuer bei der Buchmesse vor. "Schön, dass wir sein poetisches Potenzial schon immer gesehen haben", sagt der Trierer und lächelt. Seit 1980 fährt er jedes Jahr zur Buchmesse. Einmal, sagt er, habe es mal Stress gegeben. Da beteiligte sich Breuer an einer Gegenmesse in Frankfurt, weil er nicht zufrieden war, wie kleine Verlage platziert werden. Die Messe hat damals aber schnell ein Einsehen gehabt, uns gut unterstützt - und wir sind zurückgekommen."

Von Bienen und Äpfeln: Marzellus Boos verstand es einfach nicht. Warum nur trug der Apfelbaum im Garten keine Äpfel? Der Deutsch-Lehrer, der früher am Regino-Gymnasium in Prüm unterrichtete, fragte seinen Nachbarn. "Du hast keine Bienen", antwortete der - und schenkte Boos am nächsten Tag gleich eine Bienenfarm. Nun ist der Eifeler begeisterter Hobby-Imker, der im ersten Jahr gleich 52 Kilo Honig erntete - und sich seinen fleißigen Summern lyrisch widmet. Mit "Bienen - Die Seele des Sommers" stellt Boos das erste Mal auf der Messe ein Buch vor. "Mit 61 Jahren", frohlockt er. Und nicht nur das: Sein Baum im Garten trägt inzwischen mehr als genug Äpfel.Extra

An diesem Wochenende sind die Publikumstage der Buchmesse. Mehrere Verlage aus der Region können sie dabei besuchen. Wie den Hillesheimer KBV Verlag, der einen neuen Doppelroman von Jacques Berndorf veröffentlicht hat. Acht Autoren haben außerdem in acht Tagen an "Acht Leichen zum Dessert geschrieben". Passend zum Thema gibt es am Stand der Hillesheimer einen Schnaps, der mit Pudding vermischt ist, sagt Geschäftsführer Ralf Kramp. Der Name des Schnapses: Pups! Der Eifelbildverlag stellt mit "Sagenhaft Eifel" ein Buch vor, das alte, lokale Sagen mit einer Jugendgeschichte verknüpft. Dazu gibt es Foto-Bände vom Dauner Sven Nieder. "Schablonsky" ist ein Buch mit 55 Ultra-Kurzgeschichten und Zeichnungen vom Zeller Rhein-Mosel-Verlag. Der Verlag "edition trèves" setzt neben Bob Dylan auch auf den Krimi "Die Seele des Puma" - mit Jazz-CD. Lyrik und Poesie bietet der Trierer Verlag "Kleine Schritte". flor