Wie ein Musicus der Renaissance: Trierer Komponist Markus Zahnhausen

Wie ein Musicus der Renaissance: Trierer Komponist Markus Zahnhausen

In Trier aufgewachsen und vielseitig aktiv: Der Komponist Markus Zahnhausen.

Er ist von Kind auf vertraut mit der Geige, vor allem aber mit der Blockflöte - jenem kleinen, oft belächelten Instrument mit seinem schmächtigen und doch vielfarbigen Ton, das im Orchester scheinbar keinen Platz hat.

Markus Zahnhausen, Jahrgang 1965, wuchs in Saarbrücken und Trier auf und bestand 1984 am Trierer Max-Planck-Gymnasium sein Abitur. Will man ihn freilich auf ein einzelnes Gebiet im weiten Terrain von Musik, Musikforschung und Musikpädagogik festlegen, dann widerspricht er energisch. "Mein Ideal ist der Musicus der Renaissance", sagt er. Und meint damit die Breite der künstlerischen und wissenschaftlichen Fähigkeiten, über die ein Musiker des 16. Jahrhunderts verfügen musste.

Die Musik wurde ihm fast in die Wiege gelegt. "Komponiert habe ich schon als Kind."
Er hat nach dem Abitur zunächst in Trier Slavistik und Sinologie studiert und erst ein Jahr später, verbunden mit einem Wechsel nach München, ernsthaft mit der Musikerausbildung begonnen.

An seine Trierer Zeit denkt er gerne und dankbar zurück - an seinen Geigenlehrer Rudolf Reiet und die Musiklehrer Karl-Günther Bechtel, Herbert Schwarte und Klaus Risch. Sie haben Zahnhausen gefördert, haben Kompositionen in Auftrag gegeben, und vor allem die "Arbeitsgemeinschaft für Neue Musik" (AGNeM) von Klaus Risch war für ihn ein Anstoß, auch gegen innere und äußere Widerstände und trotz unsicherer Aussichten weiter zu komponieren.
Zahnhausen ist in einer Vielzahl musikalischer Professionen unterwegs. Er beherrscht Blockflöte und Violine, er dirigiert, unterrichtet an der Hochschule, arbeitet journalistisch und musikwissenschaftlich. Aber: Im Mittelpunkt seiner musikalischen Ambitionen stehen Blockflöte und vor allem Komposition. Regulär und schulmäßig hat Zahnhausen nie das Komponierhandwerk studiert.

Aber er hatte Mentoren, die ihm Anstöße gaben. Die wichtigsten waren Walter Mays (USA), Günter Kochan (Berlin), Rodion Shchedrin (Moskau) und nicht zuletzt Boris Tishchenko (St. Petersburg) - der wichtigste Schüler von Dmitrij Schostakowitsch. Und wie der Autodidakt Telemann, dessen Kompositionen Zahnhausen bewundert, hat er die Musik um sich herum eingesogen und kreativ verarbeitet.

Zahnhausens kompositorische Palette ist so breit, wie es jemandem zukommt, der sich als Nachfolger von Renaissance-Musikern versteht. Sein Werkverzeichnis verzeichnet mehr als fünfzig Kompositionen - von Musik für Violine allein bis zum großen Oratorium. "Et amor omnia", heißt es, Oratorische Szenen für Soli, Chor, acht Blechbläser, Orgel und Schlagwerk.

Und auch zur Königsklasse der Kammermusik hat er einen Beitrag geleistet - ein Streichquartett aus dem Jahr 2003, geschrieben für das berühmte Leipziger Gewandhaus-Quartett. Bei aller Vielfalt: ein Grundzug klingt immer mit - der Wille zu feinen, hochdifferenzierten Klangfiguren, zum klingenden Filigran. Da bleibt immer wieder spürbar, dass Zahnhausen von der Blockflöte kommt. Es gebe bei diesem Instrument einen "Zwang zur Essenz". Will heißen: Routine, auch hochrangige, reicht nicht aus, und Musik, die widerstandslos abläuft wie manchmal bei Reger oder Hindemith, gleichfalls nicht. "Der Komponist hat Verantwortung für jede einzelne Note", sagt Zahnhausen.
Kürzlich ist eine CD mit Blockflöten-Star Michala Petri und dem Odense Symphony Orchestra unter Christoph Poppen erschienen: "Deutsche und französische Blockflötenkonzerte". Neben Fabrice Bollon (geboren 1965) und Günter Kochan (1930-2009) ist auch Markus Zahnhausen dort präsent - mit der Komposition "Recordare" für Blockflöte und Sinfonieorchester. Zahnhausen komponiert dabei ganz aus dem Klangnaturell der Blockflöte und bewältigt die heikle Kombination Blockflöte-Sinfonieorchester souverän.

Trotz punktueller Erfolge: Den großen Durchbruch hat Zahnhausen bislang nicht geschafft. Er gehört zu der wachsenden Zahl von Musikern, die angesichts fehlender Stellen freiberuflich arbeiten müssen.
CD: German & French Recorder Concertos. Werke von Markus Zahnhausen, Fabrice Bollon und Günter Kochan. Michala Petri, Blockflöte, Odense Symphony Orchestra, Leitung Christoph Poppen. Our Recodings (Vertrieb Naxos) 6.220614. Weitere Informationen: www.zahnhausen.com