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Wie ein Phoenix aus der Asche

Wie ein Phoenix aus der Asche

Billy Idol, Punk-Pop-Superstar der 1980er Jahre, hat mit seiner Band 2000 enthusiastischen Fans in der Rockhal Esch eingeheizt. In einer mitreißenden Rockshow präsentierten sich der 59-jährige Sänger und sein langjähriger musikalischer Partner, Gitarrist Steve Stevens, in vitaler Hochform.

Esch/Alzette. In den 1980ern war seine Musik auf allen Partys und Radiokanälen präsent. Mit melodiösen und doch rockig-aggressiven Titeln wie "White Wedding" oder "Rebel Yell" traf er Nerv und Lebensgefühl der Zeit, feierte auch kommerzielle Triumphe. Doch dann wurde es still um Billy Idol. Er stürzte ab, seine Karriere kam zum Erliegen. Heroinsucht, ein schwerer Motorradunfall, zweimal sprang er dem Tod knapp von der Schippe.
Die Krisen hat er offensichtlich überwunden, auf der Rockhal-Bühne präsentiert er sich wie der sprichwörtliche Phoenix aus der Asche. Zum Auftakt seiner Show hat er mit "Postcards from the Past" einen sinnigen Titel gewählt. Denn das Image, das er vermittelt, scheint aus den 1980ern herübergeschickt. Noch immer trägt Idol die platinblonde Edelpunk-Frisur, hautenge schwarze Lederklamotten und provozierendes maskulines Sexappeal zur Schau.
Auch seinen Markenzeichen, der geballten Faust und der trotzig hochgezogenen Oberlippe, ist er treu geblieben. Das Bild aus der Vergangenheit füllt der Sänger mit sehr präsenter Vitalität. Wie ein Derwisch springt er über die Bühne, posiert auf Lautsprecherboxen, animiert das Publikum und vermittelt Lust am eigenen Tun. Der Funke springt sofort über, es ist Stimmung im Saal, die zwei abwechslungsreiche Konzertstunden lang kocht.
Jeder Geschmack wird da bedient. Es gibt harten, schnellen Punkrock aus Idols vorkommerziellen Zeiten mit der Band Generation X, zum Beispiel "Ready, Steady, Go", oder "King Rocker". Dazwischen sind einfühlsame ruhige Balladen wie "Love and Glory" oder "One Breath Away", eine Akustikversion von "Sweet little Sixteen", oder das Doors-Cover "L.A. Woman" gestreut. Und natürlich gibt es die großen eingängigen Hits wie "Dancing with Myself", "Flesh for Fantasy", "Eyes Without a Face" oder "Rebel Yell".
Zwischen Keyboard-Pop- und Starkstrom-Rock-Passagen brechen sich immer wieder diabolische Gitarrensoli Bahn, die durch ungewöhnliche Klangeffekte und Virtuosität beeindrucken. Urheber ist Steve Stevens, der von Anfang an gleichberechtigter Partner Billy Idols war und vom Publikum ebenso frenetisch begrüßt und gefeiert wird. Der amerikanische Gitarrist, der auch für Michael Jackson spielte, sieht ebenfalls aus wie den 1980ern entsprungen und bereichert das Konzert um manchen Showeffekt. Mal traktiert er sein Instrument mit kreisenden Armen, hinter dem Kopf oder mit der Zunge. In einer effektvollen Solonummer schlägt er den Bogen von Flamenco zum Rock und flicht eben mal "Stairway to Heaven" ein. Dann wieder fabriziert er Geräusche, als ginge ein Gewitter hernieder. Das ist bezeichnend für die Elektrizität dieses Konzertabends, der mit dem aus 2000 Kehlen begleiteten Hit "White Wedding" und dem Coverstück "Mony, Mony" druckvoll zu Ende geht. ae