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Wie ein Teenager die Welt retten will

Wie ein Teenager die Welt retten will

Klimawandel, Schizophrenie und die Sorgen eines Teenagers bestimmen die Handlung in John Wrays Roman "Retter der Welt". Zur Lesung in Trier erscheint der preisgekrönte Autor jedoch keineswegs in bedrückter Stimmung. Mit klaren Ansichten und viel Humor trifft er beim Publikum genau den richtigen Nerv.

Lässig und doch etwas schüchtern betritt John Wray, der mit bürgerlichem Namen John Henderson heißt, den Saal in der Volkshochschule am Domfreihof. Als Sohn eines Amerikaners und einer Österreicherin spricht er fließend Deutsch. Zunächst liest er geheimnisvoll leise, so dass die Zuhörer genau hinhören müssen, ob denn das, was sie da hören, vielleicht wirklich ein Geheimnis ist.

Denn Lowboy, wie die Hauptfigur des Buches heißt, ist kein einfacher 16-Jähriger. Lowboy leidet an paranoid schizophrenen Wahnvorstellungen. Er sieht Menschen, die andere nicht sehen. Er hört Stimmen, die andere nicht hören. Diese Stimmen versichern ihm, dass er nicht nur seine eigenen Probleme, sondern die der ganzen Welt lösen kann, wenn es ihm gelingt, innerhalb eines Tages seine Jungfräulichkeit zu verlieren. Andernfalls wird die Welt, infolge des Klimawandels, am nächsten Tag in Flammen aufgehen.

Als Wray die Spannung auf ein Maximum gesteigert hat, bricht er ab und findet in seinen eigenen Tonfall zurück. Er erklärt, dass er die Krankheit, an der seine Hauptfigur leidet, nicht missbrauchen möchte, um ihn als Verkünder einer höheren Wahrheit darzustellen. Sein Anliegen ist vielmehr, "Lowboys Weltanschauung ohne Kommentar wiederzugeben".

Vielseitiger Vortragsstil



Wray meint, dass die Ängste, die Schizophrene plagen, "die gleichen Ängste sind, die viele andere auch haben - nur viel stärker ausgeprägt". Er betont, dass die Welt der Schizophrenen nicht so radikal unterschiedlich ist, wie sie in Filmen häufig dargestellt wird.

Diese Kombination aus klarer Stellungnahme zum eigenen Werk, der faszinierenden Vielseitigkeit seines Vortragsstils sowie ein paar gut ausgewählten Witzen belohnt das Publikum mit langanhaltendem Applaus und einer noch längeren Schlange an Autogrammjägern.

Ermöglicht wurde die Lesung, wie Gerd Hurm, Leiter des Zentrums für Amerikastudien der Universität Trier, hervorhebt, durch eine enge Kooperation zwischen der Stadtbibliothek, der Volkshochschule, dem Zentrum für Amerikastudien und der amerikanischen Botschaft.