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Wie Jazzer beglückwünschen

Wie Jazzer beglückwünschen

TRIER. Bulgarische Wurzeln, französischer Flair: Das "Mario Stantchev Sextett" spielte beim "Jazz im Brunnenhof" in Trier zum Vergnügen der Zuschauer ein Konzert im Combosound.

Er hat kaum Platz genommen, da taucht das Lächeln auf: Mario Stantchev, der große französische Jazz-Pianist, dessen Kompositionen an diesem Abend im Brunnenhof erklingen, betastet spitzbübisch sein Instrument. Er legt sich darüber, schüttelt die dunklen Locken, lacht und präsentiert ein Arrangement aus kräftigen Farben, flitzenden Läufen und flotten Themen. Manchmal hebt er die Arme, zählt an und gibt den Einsatz. Dabei sitzt er am Bühnenrand, unspektakulär hinter dem elektronischen Klavier. Im Vordergrund steht der Blechbläsersatz. Im Hintergrund die Rhythmusfraktion. Gemeinsam tönt ein Combosound mit osteuropäischen Wurzeln und französischem Flair.Das hat einen natürlichen Grund: Mario Stantchev ist in Bulgarien geboren und längst in Frankreich angekommen, als Piano-Professor am Musikkonservatorium von Metz, und außerdem: als Leiter des Jazz-Departements des Conservatoire in Lyon. Zuvor hat er den ersten Preis in den Klassen Piano, Komposition, Orchester und Leitung am Konservatorium in Sofia erhalten. Freilich kann Stantchev nicht die Finger vom Live-Auftreten lassen und deshalb gibt es jenes Sextett, das dem "Jazz im Brunnenhof" ein weiteres Mal einen Höhepunkt bescherte - diesmal in Kooperation mit den Mosel Festwochen von Jazz-Club Eurocore und städtischem Kulturbüro realisiert. Hunderte Jazz-Freunde, manche aus Frankreich, applaudierten den hochgelobten Männern, die neben Stantchev-Liedern Duke Ellington zitierten. Aus der französischen Szene kommend haben sich Michel Barrot (Trompete), Roger Nikitoff (Saxophon), Gérard Guerin (Kontrabass) und Alain Couffignal (Schlagzeug) einen internationalen Namen gemacht.Im Team ist auch ein Luxemburger: ein Herr mit kräftiger Lunge und sattem Ton, der in Trier einmal seine Jazz-Karriere bei der "Alb Hardy Showband" begonnen hat und dessen Vorstellung im Brunnenhof deshalb so etwas wie eine Heimkehr war. Francesco Castellani erwies sich am Ende als heimlicher Star der Veranstaltung. Ob im Duo mit Stantchev ("Angel Eyes") oder als Spieler in Formation - stets quakte Castellanis Posaune besonders gut. Ob als Ansager der Stücke oder als Übersetzer für Stantchevs Erklärungen - Castellani übernahm die Rolle des Programmführers, und schien sich recht wohl zu fühlen. Schließlich hatte sich Mario Stantchev für ihn eigens einen Song ausgedacht, den die gesamte Truppe spontan spielte. Die Melodie war unverkennbar: Es war das "Happy Birthday"-Lied, über das sich das Geburtstagskind Francesco Castellani am meisten freute.