"Wie Singen mit der Feder"

"Wie Singen mit der Feder"

Rolf Ersfelds Roman erzählt eine Geschichte über die Freundschaft dreier Menschen. Tatsächlich ist das Buch eine Reflexion darüber, wie rätselhaft das Leben manchmal sein kann und wie wichtig uns die kleinen Dinge werden, sobald wir zum ersten Mal erfahren haben, was Vergänglichkeit bedeutet, - und, dass die Literatur ein Weg sein kann, sich dieser Vergänglichkeit ein Stück weit zu entziehen.

Trier. "Man liebt anders, wenn man älter wird, die Gefühle sind genauso stark, bewusster, dankbarer, aber in gewisser Weise verschattet, angereichert mit Erfahrungen, Zweifeln, geplatzten Hoffnungen, dem Wissen um die Vergänglichkeit der Liebe und des Lebens. Das ist der Unterschied." - Diese Erfahrung macht Joe, einer der Hauptcharaktere des Romans "Winterbirnen", gegen Ende der Geschichte. Es ist auch der Blickwinkel, aus dem der Autor Rolf Ersfeld sein Werk geschaffen hat.
Ersfelds Roman ist sowohl Liebes- als auch Gesellschaftsroman, eine feinfühlig aufbereitete Schicksalsgeschichte mit kritischen Untertönen, philosophischen Reflexionen und poetischen Sprachbildern.
In immer wiederkehrenden Rückblenden wird Joes Geschichte erzählt. Diese ist untrennbar verbunden mit der seiner besten Freunde: Ben und Luisa. Diese Charaktere sind es, die Ersfelds Roman so lesenswert machen. An Vielschichtigkeit mangelt es dem Buch nicht: Neben Bildern von zerbombten Stadtteilen und von Schutt- und Trümmerhaufen auf den Bürgersteinen - Erinnerungen an die Zeit des Krieges - steht die Schilderung erotischer Eskapaden oder das sprachliche Nachempfinden des subtilen Geschmacks, den ein besonderer Wein auf der Zunge hinterlässt. Auch Trier lebt unter der Feder des Autors auf, wenn Bilder der Stadt aus den 1950er Jahren und von heute nebeneinandergestellt werden. Erwähnung findet auch der Flugzeugabsturz bei Findel im Jahr 2002 und das Versagen der Luxemburger Justiz.
Poetische Feinfühligkeit


Der Autor weiß, was er tut: Davon zeugen nicht zuletzt fantasievolle Wortschöpfungen und selbstreflexive Textstellen. "Wenn du schreibst, Joe, empfinde ich es immer wie ‚Singen mit der Feder‘", sagt Luisa einmal.
Was mit dem Teilen einer Winterbirne beginnt, im Laufe der Geschichte ein um das andere Mal auf die Probe gestellt wird und doch stark genug ist, um, so scheint es, bis zum Ende zu bestehen - darum geht es in Ersfelds Roman: um Freundschaft. Darüber hinaus gelingt es dem Autor, das Leben in seiner Uneindeutigkeit und Rätselhaftigkeit einzufangen und es auf ganz besondere Art und Weise in der von Turbulenzen heimgesuchten Freundschaft der drei Protagonisten widerzuspiegeln.
Es ist, als erzähle der Autor stets mit dem Wissen um die Vergänglichkeit all dessen, was er in der fiktiven Welt erschafft, und als umspanne er gerade deshalb jedes noch so kleine Detail mit liebevollen Worten -, um den Leser an seinem Wissen teilhaben und seine Bedeutung nicht verkennen zu lassen.
Rolf Ersfeld: Winterbirnen, IL-Verlag, 238 Seiten, ISBN: 978-3-905955-25-5, 14,70 Euro.
Rolf Ersfeld ist in Trier geboren. Der ehemalige Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Trier hat sich dort vor allem um werbe- und firmenrechtliche Angelegenheiten gekümmert. 2010 beginnt er die Arbeit an seinem ersten Roman "Winterbirnen". Das Buch ist diesen August im IL-Verlag erschienen. Ein zweiter Roman mit dem Titel "Mattuschkes Versuchung" kommt 2012 auf den Markt. Am 27. November, 16 Uhr, liest Rolf Ersfeld in Trier, Mayersche Interbook, aus "Winterbirnen". eib

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