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Wiedergelesen - Lieblingsbücher

Wiedergelesen - Lieblingsbücher

"Ich bin tot, aber das ist nicht so schlimm. Ich habe gelernt, damit zu leben.

" So beginnt Isaac Marions Roman "Warm Bodies". Ein guter Vorgeschmack auf das, was den Leser erwartet: Humor, Selbstironie - und eine ganz und gar ungewöhnliche Zombiegeschichte. Denn R, aus dessen Sicht der Roman erzählt wird, ist keine von diesen sabbernden, hirnlosen, blutdurstigen Gestalten, die sonst so durch die Zombiewelt stolpern. Die postapokalyptische Welt, in der er sich auf den nur noch von seinesgleichen bevölkerten Flughafen zurückgezogen hat, ist ihm zuwider. Endloses Herumstehen, Stöhnen, Verwesen. Wie R selbst kennt niemand mehr den eigenen Namen. Es gibt keine Ziele, keine Erinnerungen, keine Gefühle - nur den Drang nach menschlichem Fleisch. Und die Jagd nach den letzten Überlebenden, die sich in einem Stadion verschanzt haben. Das kann es doch nicht gewesen sein, findet R. Menschen zu töten ist für ihn ein notwendiges Übel, ihr Gehirn zu essen die einzige Chance, für kurze Zeit wieder etwas zu fühlen. Als R. das Hirn des jungen Perry isst, taucht er in dessen Erinnerungen ein. Dabei sieht er Perrys Freundin Julie - und verliebt sich sofort. Als Julie dann plötzlich vor ihm steht, folgt er diesem neuen Impuls, beschützt sie und versteckt sie vor den anderen Zombies. Die Nähe zu Julie verändert R. Er lernt wieder zu sprechen, zu schmecken, zu fühlen, zu hoffen. Für Julie widersteht er seinem Drang. Er folgt ihr sogar bis ins Stadion, um den Lebendigen zu beweisen, dass sich die Zombies ändern können. "Warm Bodies" ist eine verrückte Liebesgeschichte, mit witzigen Parallelen zu Shakespeares "Romeo und Julia" und voll von schwarzem Humor. Aber nicht nur das. Das skurrile Zusammentreffen von Mensch und Zombie wirft auch tiefgründige Fragen auf: Abgesehen vom schlagenden Herzen - was macht eigentlich einen Menschen aus? Wer ist mehr Mensch: Ein Zombie, der sich menschlicher verhält als die meisten Lebenden, oder ein Mensch, der jegliche Menschlichkeit verloren hat? Ein unterhaltsames Buch, hinter dem mehr steckt, als man vermutet. Christa Weber Isaac Marion, "Warm Bodies" (deutscher Originaltitel: Mein fahler Freund), Tropen bei Klett-Cotta, 2010, 298 Seiten, 9,95 Euro Diese und weitere Volksfreund-Kolumnen finden Sie auch online auf der Internetseite www.volksfreund.de/kolumne