Wiedergelesen - Lieblingsbücher

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Ein Fremder bietet einem jungen Mann in einer Kneipe eine Wette an. Wenn er gewinnt, darf er die afrikanische Raubkatze des anderen behalten.

Um der hübschen Kellnerin zu imponieren, schlägt der Mann ein. Er gewinnt und nimmt Katze und Kellnerin mit in seine Wohnung. Bei der jungen Frau hat er keinen Erfolg, sie verlässt ihn schon bald wieder. Dafür bleibt die Raubkatze - und zerlegt ihm sein Schlafzimmer in Einzelteile. T.C. Boyle ist ein exakter Beobachter und Gesellschaftskritiker. Der amerikanische Autor ist vor allem für seine Romane bekannt. Immer wieder erscheinen aber auch Sammlungen mit Erzählungen von ihm. "Zähne und Klauen" heißt der neueste Kurzgeschichtenband, der im Jahr 2008 zunächst im Hanser-Verlag erschienen ist und 14 Geschichten enthält. Darin schildert er den Alltag scheinbar ganz normaler Menschen. Es geht um Liebe und es geht ums Scheitern. Vielfach sind seine Figuren Versager oder Menschen, die vom Schicksal gebeutelt sind. Oftmals erleben sie verrückte Dinge. "Zähne und Klauen" ist nicht nur der Titel des Buches und der Erzählung mit der Raubkatze. Er steht auch symbolisch dafür, dass sich die Protagonisten mit Händen und Füßen an etwas klammern: oft an ihr altes Leben, das im Laufe der Geschichten aus den Fugen gerät, manchmal auch an eine vermeintliche Hoffnung, die die Zukunft verspricht. Boyles Erzählungen sind kleine Romane, die man locker an einem Abend weglesen kann. Sie sind unterhaltsam, oft gesellschaftskritisch und am Ende hat man meistens das Gefühl: Wie schön, dass es mir besser geht. Roland Grün T.C. Boyle: "Zähne und Klauen", dtv, 384 Seiten, 9,95 Euro. Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne

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