Wiedersehen mit einem Klassiker

Trier · Die musikalische Nostalgiewelle hat nach Eric Burdon und anderen Altrockern nun Martin Turners Wishbone Ash nach Trier gespült. In der Tufa ließ die Gruppe den Klang der 1970er Jahre wieder auferstehen und begeisterte damit treue Fans.

 Er bewahrt das Erbe der von ihm gegründeten Band Wishbone Ash: Martin Turner in der Tufa Trier, im Hintergrund Danny Willson. TV-Foto: Anke Emmerling

Er bewahrt das Erbe der von ihm gegründeten Band Wishbone Ash: Martin Turner in der Tufa Trier, im Hintergrund Danny Willson. TV-Foto: Anke Emmerling

Rockgeschichtlich betrachtet ist der Auftritt von Martin Turners Wishbone Ash in der Tufa passend terminiert. Wishbone Ash wurde 1970 als Vorgruppe von Deep Purple bekannt - und die gastieren demnächst in der Arena Trier. Alte Recken haben derzeit Konjunktur, manche mehr, manche weniger. Die Zuhörerschar in der Tufa ist erstaunlich übersichtlich. Ein Grund könnte die Unsicherheit sein, was angesichts der bizarren Geschichte von Wishbone Ash musikalisch zu erwarten ist.

Denn die Band gibt es nach viel Wirrwarr heute zweifach. Unter dem Originalnamen tourt der ein Jahr nach der Gründung hinzugestoßene Gitarrist Andy Powell. Als "Martin Turners Wishbone Ash" firmiert die Gruppe um den eigentlichen Gründer, Songschreiber, Bassisten und Leadsänger Martin Turner. Die macht in der Tufa keinen Hehl daraus, welche Erwartungen sie bedient. Mit dem Kracher "The King will come" aus dem Erfolgsalbum Argus eröffnet sie ein Programm aus legendären Klassikern der frühen 1970er, das von den textfesten Fans mit großem Hallo begrüßt wird. Neben weiteren Argus-Titeln wie "Warrior", Blowin Free" oder "Throw down the Sword" (1972), gibt es "Phoenix" oder "Errors on my Way" aus dem Debüt-Album 1970, "Jail Bait" aus Pilgrimage von 1971 und einige Titel aus Wishbone Four von 1973 zu hören.

Wer die Augen schließt und damit ausblendet, dass der Frontmann bei aller zur Schau gestellten Jugendlichkeit mit 63 schon ein bisschen in die Jahre gekommen ist, wird in diese Zeit zurückkatapultiert. So authentisch ist der rockige Sound mit den charakteristischen melodischen Gitarrenduetten, dem mehrstimmigen Satzgesang und dem Wechsel zwischen treibenden Rock'n'Roll-Passagen und ruhigen Balladen. Mit offenen Augen zurück in der Neuzeit erscheinen die Strukturen in ihrer Schnörkellosigkeit etwas gleichgestrickt, manchmal - gemessen an heutigen differenzierten Sounds - auch einfältig. Doch Turner, seine Gitarristen Ray Hatfield und Danny Willson wie Drummer Dave Wagstaffe liefern handwerklich äußerst solide Arbeit, und, viel wichtiger: Sie spielen mit Herzblut, Humor und einer Energie, von der sich manch Junger eine Scheibe abschneiden kann. Sie reißen mit, lassen schwelgen - so soll es sein. Das haben die alten Recken einfach drauf!

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