Wilde Rhythmen, feinster Funk

Wilde Rhythmen, feinster Funk

TRIER. Die Master Drummers of Burundi gelten als eine der bedeutendsten Trommelformationen, Maceo Parker blies für James Brown das Altsaxofon. Beim Konzert in den Kaiserthermen traten am Donnerstag beide Hochkaräter vor rund 800 Zuschauern auf. Der TV präsentierte das Konzert.

So breit der Graben zwischen den Master Drummers of Burundi und Maceo Parker ist, so weit reicht die Brücke, die ihn überwindet. Beide Musiken sind voller Seele, voller Kraft und frei von Überzeichnung. Beide leben nicht nur vom Rhythmus, sondern auch voneinander, ist Funk doch die kunstvolle Entwicklung afrikanischer Wurzeln. Und trotz aller musikalischer Verwandtschaft könnten die Unterschiede kaum größer sein: Ohne Klischees zu bedienen, betonen die Drummers of Burundi das Archaische, Mystische, Symbolhafte ihrer Musik und damit ihrer kriegerischen, ursprünglichen Kultur. Gekleidet in nationales Weiß, Rot und Grün schlagen die zwölf Musiker auf die hohlen Stämme ein. Werden die Felle getroffen, hallt der Schall von den Gemäuern der Kaiserthermen wider. Treffen die Stöcke die Seitenwände der Trommeln, klackern die Töne und verstummen schnell. Die geraden Rhythmen, die sich im Grunde nur im Tempus unterscheiden, treiben voran. Durch ihre Gleichmäßig- und laute Gleichzeitigkeit drängen die Schläge kraftvoll nach vorne. Die Schreie und Unisono-Gesänge der Truppe verstärken den Eindruck der Ursprünglichkeit. Dazu die immer wiederkehrenden Tanzelemente: Das Ende eines Trommelstocks wird in rasender, rotierender Bewegung um den Hals gestrichen. Bei den meterhohen Sprüngen strecken die Tänzer ihre Beine kerzengerade nach vorne. Symbolhaft wirkt das - und trotz der Lebensfreude, die die Drummers ausstrahlen, auch kämpferisch, drohend, heiß und wild. Als dann Maceo Parker mit seiner Band die Bühne betritt, fällt die Temperatur um gefühlte zehn Grad - nicht nur wegen des dünnen, kalten Regens. Die Jazzer tragen dunkle Anzüge und - anfangs - Sonnenbrillen. Alles ist cool, alles im Griff. Während die hämmernden Burundi-Trommeln das Zwerchfell vibrieren ließen, entspannen die um Hundertstel Sekunden verschleppten Synkopen durch und durch. Keine Note kommt auf die Eins, jeder Ton zieht sich zu seiner eigentlichen Höhe erst hinauf, feinster Funk zieht ein. Immer wieder schwingen sich bekannte Melodiefetzen über den samtigen Teppich aus Synthi-Klängen und Besen-Trommelschlägen. Bei den Soli verlassen die Musiker schonmal den Funk: Die Posaune bringt poppige "Yesterday"- und andere Beatles-Töne, die Backgroundsängerin lässt Aretha Franklins "Think" anklingen, Parkers Sohn Corey rappt schnelle HipHop-Flows. Und trotzdem ist alles ganz original Maceo Parker, dessen Stimme von einer großen Tiefe an die Oberfläche dringt, sich dann breit und schmelzig über die Instrumente legt, um sich zu kurzen, funkigen Höhen aufzuschwingen. So viel Seele und Sinnlichkeit war in den Kaiserthermen noch nie.