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Wink nach Deutschland

Wink nach Deutschland

Am 18. September findet das erste Abonnementkonzert des "Orchestre Philharmonique du Luxembourg" (OPL) in der Philharmonie statt. TV-Redakteur Martin Möller befragte Olivier Frank, den künstlerischen Direktor des OPL, zum Selbstverständnis und den Planungen des Orchesters.

Luxemburg. (mö) Das "Orchestre Philharmonique du Luxembourg" zielt verstärkt auf das deutsche Publikum. Im TV-Interview bezieht Olivier Frank unter anderem dazu Position.

Herr Frank, das "Orchestre Philharmonique" hat ja eine interessante und wechselvolle Geschichte. Was ist sein aktueller Auftrag?

Frank: Das "Orchestre Philharmonique du Luxembourg", kurz OPL, ist ein nationales Orchester, das zunächst einmal tut, was nationale Orchester tun sollen: das Land zu repräsentieren, ein Kompass zu sein für das, was Luxemburg musikalisch zu bieten hat. Es soll Konzerte nicht nur in der Stadt, sondern im gesamten Großherzogtum geben und Luxemburg im Ausland vertreten. Eine bestimmte Rolle hat in den letzten Jahren immer mehr an Gewicht gewonnen: das Pädagogische. Dazu haben wir eine eigene Abteilung gegründet.

Sie zielen ja auch auf das deutsche Publikum. Wenn ich das erste Symphoniekonzert am 18. September anschaue, mit Schumanns "Rheinischer" und Mendelssohns "Lobgesang" - ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl Richtung Trier?

Frank: Ich möchte es so ausdrücken: Wir zielen grundsätzlich auf die Großregion, und es trifft sich, dass das deutsche Publikum am meisten angesprochen wird. Belgien ist, wie Sie wissen, an unserer Grenze nur dünn besiedelt. Und die Franzosen sind erstens von Natur aus kein reiselustiges Volk, und sie haben zweitens mit dem Arsenal in Metz und anderen Einrichtungen eine kulturelle Infrastruktur, die ja auch Konkurrenz bedeutet. Dass in unserem Jahresprogramm Schumann, Mendelssohn oder auch Liszt vorkommen, ist natürlich auch ein freundschaftlicher Wink nach Deutschland, hat aber doch mit unserer Grundkonzeption zu tun. Wir haben zwar den Ruf, vor allem im Holzbläsersatz ein französisch geprägtes Orchester zu sein, aber durch unsere geografische Lage vermitteln wir ja zwischen deutscher und französischer Kultur. Das ist Teil unserer Identität.

Ein Trierer Musiker sagte einmal: "Die wollen gar nicht uns, sondern nur unser Publikum". Wie sieht es denn aus mit einer Zusammenarbeit?

Frank: Der Hauptgrund, warum wir uns noch nicht intensiv um Zusammenarbeit mit Musikern aus dem nahen Ausland bemüht haben, hat damit zu tun, dass wir uns in den letzten Jahren hauptsächlich mit uns selber befasst haben. Sie wissen ja, dass das OPL, das früher einmal das Orchester des Rundfunksenders RTL war, 1996 vom Staat übernommen wurde. Das ging nicht automatisch. Der zweite große Einschnitt war die Gründung der Philharmonie. Das bedeutet nicht nur, dass seitdem ein wunderbarer Saal zur Verfügung steht, sondern auch, dass es eine Konkurrenz gibt, die wir vorher nicht hatten. Wir müssen uns gegenüber der Philharmonie und, ich muss sagen, auch mit der Philharmonie neu situieren.

Es gibt also schon eine Konkurrenzsituation mit der Philharmonie. Wie reagieren Sie darauf?

Frank: Wir mussten uns anfangs aneinander gewöhnen. Jetzt kennen wir uns sehr gut, und unterschwellig haben wir gemerkt, dass wir uns eigentlich doch sehr mögen und dass wir beide Interesse haben, miteinander zu arbeiten. Wir sind in der Philharmonie Residenzorchester, wir brauchen den Saal der Philharmonie, aber die Philharmonie braucht uns auch. Es ist eine Art Symbiose, und jetzt geht es darum, dass wir noch enger zusammenarbeiten; in dieser Saison sind wir ja neben Barenboim mit dem Scala-Orchester und Chailly mit dem Gewandhausorchester in einem Abonnement-Zyklus vertreten, das ist eine sehr gute Lösung. Und um auf Ihre vorletzte Frage zurückzukommen: Nach drei Jahren Philharmonie sind wir jetzt soweit, um auch auf unsere Nachbarn zuzugehen und Kooperationen anzustreben.

Herr Frank, lassen wir einmal unsere Fantasie spielen: Wie könnte denn das Kulturleben hier in zehn, in zwanzig Jahren aussehen?

Frank: Das ist für mich schwer zu sagen. Man sagt immer, dass die Großregion zusammenwächst. Sie wächst auch zusammen, aber ob sie wirklich im Herzen zusammenwächst, weiß ich noch nicht. Politische Willensäußerungen reichen nicht, sie müssen auch in die Tat umgesetzt werden. Momentan - und das sage ich auch für uns - gibt es doch eher eine protektionistische Haltung. Da ist noch sehr viel zu tun. Die Grenzen müssen aus den Köpfen.

Karten in den TV-Service-Centern in Trier, Bitburg, Wittlich, unter der TV-Tickethotline 0651-7199-996 und online unter www.volksfreund.de/tickets; Bustransfer von Trier: 0651/ 9930061, im Internet: www.opl.lu