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"Wir dürfen Musik machen - das ist ein Geschenk"

Nicole Johänntgen, Preisträgerin des JTI Trier Jazz Award, überwältigt ihr Publikum mit ihrer vollkommenen Hingabe an die Musik. TV-Foto: Anke Emmerling
Nicole Johänntgen, Preisträgerin des JTI Trier Jazz Award, überwältigt ihr Publikum mit ihrer vollkommenen Hingabe an die Musik. TV-Foto: Anke Emmerling FOTO: Anke Emmerling (ae) ("TV-Upload Emmerling"
Trier. Zum sechsten Mal ist der JTI Trier Jazz Award verliehen worden. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung ging diesmal an die 34-jährige Saxophonistin und Komponistin Nicole Johänntgen aus dem saarländischen Fischbach. Ihr Konzert in der Europäischen Kunstakademie Trier bestätigte den Juryentscheid als exzellente Wahl. Mit berauschender Intensität überwältigte es 250 Zuhörer. Anke Emmerling

Trier. "Ihr seid alle hier, und wir dürfen für euch Musik machen, das ist ein Geschenk!" Schon in Nicole Johänntgens verbal geäußerter Freude über Auszeichnung und Einladung zum Preisträgerkonzert drückt sich ein gewinnend natürliches und fröhliches Wesen aus. Eins, das Jurymitglied und Laudator Peter Kleiss vom Saarländischen Rundfunk auch als kommunikationsfreudig und ehrlich bezeichnet.
Er kennt die 1981 im saarländischen Fischbach geborene und seit dem fünften Lebensjahr musikalisch ausgebildete Künstlerin seit ihrer Abiturzeit. Sie hatte damals als Saxophonistin (Alt und Sopran) schon Erfahrungen in der Tanzband ihres Vaters, in Jazz-Combos und im Jugendjazzorchester des Saarlandes gesammelt. Anschließend ging sie zum Studium nach Mannheim; ihr bedeutendster Mentor war Dave Liebman.
Peter Kleiss war Nicole Johänntgen mit ihrer eigenen Band Nicole Jo aufgefallen, die bereits 1999 eine erste und bis 2014 fünf weitere CDs veröffentlichte. Sie beeindruckte auch andere Jazzgrößen: Der schwedische Posaunist Nils Landgren war so angetan, dass er Johänntgen für die Besetzung der Frauenband Respect empfahl, deren Auftritt beim Jazzfestival St. Ingbert europaweit 16 Millionen Hörern übertragen wurde.
An die Erfahrung mit diesem Projekt knüpfte die inzwischen in Zürich lebende und schon mehrfach preisgekrönte Künstlerin mit der Gründung einer eigenen Initiative an: SOFIA (Support Of Female Improvising Artists) ist ein Programm zur internationalen Förderung junger Jazzmusikerinnen in Sachen musikalische Improvisation und Selbstmanagement.
Neben Nicole Johänntges Qualitäten als Musikerin sei es dieses ohne Solidarität und Toleranz nicht denkbare Engagement, das mit dem JTI Trier Jazz Award gewürdigt werde, erläutert Kleiss. Kulturen und Nationen zusammenzubringen, sei ihr ein Herzensanliegen, bekräftigt die Preisträgerin: "Musik ist eine Universalsprache."
Das beweist sie dann auch im Konzert mit ihren Begleitern Marc Mean (Piano), Thomas Lähns (Kontrabass), Bodek Janke, (Drums/Percussion) und als Gast Nehad El-Sayed an der Oud. Es ist ein Musikerlebnis, das eine Vielfalt von Stilen wie modernem Jazz, orientalische Folklore oder Blues in schillernden, durch Tablas und Oud auch exotisch getönten Klangfarben vereint. Kategorisierungen lässt es aber gar nicht erst zu, denn was zählt und packt, ist ein hoch dynamischer Spannungsbogen, in dem sich romantische Momente mit aggressiven Ausbrüchen oder humorvollen Neckereien abwechseln.
Da entfesselt sich auf der Bühne ein sinnlich-emotionaler Rausch, in dessen Zentrum die kommunikative Kraft und völlige Hingabe der jungen Virtuosin stehen.
Verzückt lauscht sie jedem Ton, den ihre Mitmusiker spielen, zuweilen wirkt es, als lasse sie sich davon liebkosen. Dann gibt sie das Aufgesogene mit vielfacher Energie zurück. Nicole Johänntgen lebt ihre Musik mit jeder Faser des Körpers. Diese Bühnenpräsenz und ihr Spiel, in dem sich ein fröhliches, lebensbejahendes und zartfühlendes Temperament ausdrückt, entfalten einen Sog, dem sich niemand entziehen kann.
Hier werden auch solche Zuhörer zu Jazz-Fans, die es vorher nie gewesen sind. Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe bringt es bei der Preisvergabe durch Heike Maria Lau von Japan Tobacco International stellvertretend für viele auf den Punkt: "International und Trier haben sich heute zusammengefügt. Ich bin begeistert."Extra

Der vom Unternehmen Japan Tobacco International und der Stadt Trier ausgelobte JTI Trier Jazz Award zeichnet Jazzmusiker und -musikerinnen aus, die durch ihr künstlerisches Schaffen und weiterreichendes Engagement herausragen. Er wird wechselnd in der mit 5000 Euro dotierten Kategorie "National/Interregional" und der mit 10 000 Euro dotierten Kategorie "International" vergeben. Bisherige Preisträger waren Marylin Mazur (2010 international), Oliver Strauch (2011 national/interregional), Toots Thielemans (2012 international), Pascal Schumacher (2013 national/interregional) und Stefano Bollani (2014 international). ae