"Wir sind eine tolle Band"

LOSHEIM. "MfG" – mit freundlichen Grüßen: Am Samstag, 27. August, spielen die Fantastischen Vier als Top-Act beim "Tag am See" im Strandbad Losheim. Der TV hat vor dem Konzert bei Sänger Smudo nachgefragt, wie viel "F4" noch mit der HipHop-Szene verbindet.

Das textliche Niveau bei einigen neuen deutschen Rappern ist drastisch gesunken - bei Fler & Co. finden sich rechte Anspielungen, mal abgesehen davon, dass viele Texte auch sexistisch oder gewaltverherrlichend sind. Wie weit dürfen Provokationen gehen?Smudo: Als Künstler steht man immer vor der Frage nach dem Kompromiss zwischen künstlerischer Freiheit und Verantwortung gegenüber der zuhörenden Öffentlichkeit. Ich halte Fler nicht für einen rechten Künstler. Ich denke, dass er jetzt eine wichtige Lektion über Imagepflege lernt. Es bleibt ihm überlassen, wie viel Provokation er seinem Image zumutet. Im Allgemeinen halte ich es für wichtiger, sich über echte und tatsächlich gefährliche rechtsextreme Gewalt zu echauffieren. Wie viel HipHop steckt noch in den Fantastischen Vier?Smudo: Woher soll ich das wissen? Ich persönlich kann mich nach wie vor mit den ideellen gesellschaftlichen Werten von Hip Hop - wie Toleranz, Solidarität, gedankliche Freiheit, künstlerische Breite - identifizieren. Mit dem üblichen Genre-Traditionalismus wie Fashion-Code und kultureller Zeichensprache allerdings nicht. Zum einen bin ich dafür zu erwachsen, und zum anderen finden wir das musikalisch wenig innovativ. Gerade der Erfindungsreichtum, das Aufbrechen des Traditionellen sind die musikalischen HipHop-Werte, von denen ich was halte. Es ist demnach eine Standpunktsache. Als Musikjournalist würde ich sagen: Eine vielseitige Popband mit eindeutigen HipHop-Wurzeln und Spieltechniken. In den vergangenen Jahren hat jeder von den "Vier" etwas Eigenes gemacht: Thomas D. hat ein Soloalbum aufgenommen, And.Ypsilon war als Produzent fleißig, Michi Beck war mit Thomilla als "Turntablerocker" aktiv, und Sie haben als Rennfahrer unter anderem den Nürburgring unsicher gemacht. Sind das langsame Auflösungserscheinungen der Fanta Vier? Smudo: Da wir vier verschiedene Persönlichkeiten sind, machen wir außerhalb des "Arbeitsplatzes" Fanta Vier natürlich auch private Dinge. Das war schon immer so und hat mit Auflösungserscheinungen nichts zu tun. Im Gegenteil: Die verschiedenen Lebenserfahrungen führen dazu, dass wir als Band beim Song-Schreiben aus einem großen Erfahrungs- und Inspirationsschatz schöpfen können. Thomas D. wohnt seit einigen Jahren in einer Land-WG im Eifel-Örtchen Heyroth. Wäre so ein Lebensmodell auch etwas für Sie?Smudo: Das wär nix für mich. Ich besuche Thomas sehr gerne, wenn ich auf der Nordschleife zu tun habe, aber ich bin ein durch und durch urbaner Mensch und brauche das pulsierende Leben als Inspiration und Ideenquelle. Wenn Sie den Smudo von heute mit dem von - sagen wir mal - 1991 vergleichen: Wie hat sich Ihr Leben geändert? Und wie stellen Sie sich den Smudo in 20 Jahren vor?Smudo: Rückblickend bin ich erstaunt, wohin ich es trotz aller Planlosigkeit gebracht habe. Ich denke aber auch, dass sehr viele persönliche Änderungen schlicht mit dem Älterwerden zu tun haben. Ich bin froh, keine Vorstellung von den nächsten 20 Jahren zu haben. Sie würde ohnehin enttäuscht. Gegenfrage an den Leser und Sie: Hätten Sie vor zehn Jahren auch ansatzweise vorhersagen können, wo Sie heute stehen und wie Sie heute drauf sind? Seit 1996 hat "F4" mit "Four Music" ein eigenes Plattenlabel. Im vergangenen Jahr hieß es, Sie wollten vor Gericht ziehen, um eine Vertragsauflösung mit Vertriebspartner Sonymusic zu erreichen. Begründung: Sie seien unfähig. Nun wurde "Four Music" zu 50 Prozent vom neu entstandenen Major SonyBMG übernommen. Werden Sie Ihren Idealen untreu?Smudo: Nach der Auseinandersetzung mit Sony vor einigen Jahren haben wir auch im Leben nicht damit gerechnet, dass wir heute wieder Partner sind. Aber wie es eben auch in der Liebe ist: Oft führt ein Streit zu einer Aussprache, und man kommt sich näher. Der Zusammenbruch der Tonträgerindustrie ist auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen. Four Music hatte schon immer mit großen Partnern zusammengearbeitet, wobei der künstlerische Bereich dabei immer unabhängig war. Gerade in der Zeit des zusammenbrechenden Marktes brauchen wir einen Partner, der uns mit Logistik und Man-power beistehen kann, damit wir überhaupt den Freiraum für unsere Künstler behalten können. Sie sind mittlerweile 37 Jahre alt. Denken Sie da bei Konzerten schon mal - warum mache ich das eigentlich noch?Smudo: Gerade auf Konzerten, wenn ich die Fans sehe und unsere eigene Musik präsentieren kann, sehe ich, warum ich das eigentlich noch mache. Wir sind eine tolle Band mit geilem Publikum. S Das Interview führten die TV-Redakteure Andreas Feichtner und Denise Juchem. Beim "Tag am See"-Festival (Samstag, 27. August), das vom TV präsentiert wird, spielen neben den "Fantastischen Vier" unter anderem die Sportfreunde Stiller, Kettcar und Patrice. Karten gibt es in den TV-Pressecentern Trier, Wittlich und Bitburg.