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"Wir sind einfach spielgeil"

"Wir sind einfach spielgeil"

Seit über 20 Jahren gehört der österreichische Sänger und Multi-Instrumentalist Hubert von Goisern mit seinem unnachahmlichen Mix aus Volksmusik, Alpenrock und World Music zu den erfolgreichsten Künstlern seines Heimatlandes. Am 14. Oktober gastiert der 55-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Hubert Achleitner heißt, in der Trierer Arena.

Trier. (DiL) In die Region Trier holte ihn schon vor Jahren Ducsaal-Chef Manfred Weber. Inzwischen füllt Hubert von Goisern längst auch in Deutschland große Hallen. Sein letztes ambitioniertes Projekt war eine vom Fernsehen dokumentierte 12 000-Kilometer-Tour mit einem zur schwimmenden Bühne umgebauten Schiff auf Donau und Rhein. Vor seinem Arena-Auftritt stand er dem TV Rede und Antwort. Das Interview führte unsere Redakteur Dieter Lintz.

Sie haben gerade Ihre aufsehenerregende, über zwei Jahre gehende "Linz-Europa-Tournee" auf einem Konzert-Schiff beendet. Haben Sie sich wieder an den festen Boden gewöhnt?

Von Goisern: Na ja, es geht ja jetzt auf Rädern weiter. Aber es wird halt alles wieder berechenbarer. Die zwei Sommer-Tourneen auf unserem Bühnen-Schiff waren sehr unterschiedlich. Diesmal auf dem Rhein war das ziemlich durchorganisiert, aber die Donau-Tour letztes Jahr bis zum Schwarzen Meer hatte schon etwas Abenteuerliches…

…das hatten Sie aber auch gesucht…

Von Goisern: Auf jeden Fall. Ich wollte mal was ganz Ungewöhnliches probieren, nicht wissen, wie es beim nächsten Konzert aussieht, ganz neue Spielorte probieren. Das war schon toll.

Und jetzt, nach ein paar Wochen, gleich wieder die Fortsetzung Ihrer "S'nix"-Hallentour - wäre da nicht ein ordentlicher Urlaub besser gewesen?

Von Goisern: Wir sind Musiker, wir sind einfach spielgeil. Da kann man eigentlich nicht genug kriegen. Und diesmal geht's ohne Gäste, nur mit der Band, das heißt, wir spielen sogar noch länger. Drei Stunden Netto-Spielzeit sind da schon drin, aber mein Publikum ist das auch gewöhnt. Und in der Halle kann man das gut aushalten, vor allem, weil man anders als beim Schiff nicht dauernd zum Himmel schauen muss.

Sie spielen live etliche Instrumente, unter anderem Ziehharmonika, Gitarre und Trompete. Muss man da eigentlich in den konzertfreien Zeiten so richtig beinhart üben?

Von Goisern: Müsst' man eigentlich schon. Aber ich bin ein lustbetonter Mensch und lerne am ehesten, wenn ich live Musik mache. Ehrlich gesagt: Ich hab' in den letzten Wochen keinen Ton gespielt. Aber immerhin habe ich meine Instrumente eigenhändig gewartet.

Sie haben eine große Fan-Gemeinde, obwohl die populären Radiosender Sie in Deutschland fast völlig ignorieren. Wie kriegt man das hin?

Von Goisern: Da kann ich auch nur mutmaßen. Vielleicht, weil ich mir das Publikum über Jahre aufgebaut habe, durch große Kontinuität. Da läuft dann viel über Mundpropaganda.

Bekommen wir denn auch den Schauspieler Hubert Achleitner in absehbarer Zeit noch mal zu sehen?

Von Goisern: In absehbarer Zeit nicht, obwohl ich es gerne wieder mal machen würde. Aber die Bücher, die man mir angeboten hat, haben mich nicht gereizt. Vielleicht muss ich einfach selber mal einen Film drehen.

Sie sind bekanntermaßen ein politisch denkender Mensch. Haben Sie noch Spaß an der Politik, wenn Sie etwa die Nationalratswahlen kürzlich in Österreich anschauen?

Von Goisern: Ich habe diesmal zum ersten Mal darüber nachgedacht, ob es überhaupt einen Sinn hat, seine Stimme abzugeben. Es war eigentlich schon vorher klar, dass da nix herauskommen kann als die große Koalition, die schon in den letzten Jahren nichts zustande gebracht hat. Aber ich habe dann trotzdem Briefwahl gemacht und wie immer die Grünen gewählt. Aber Spaß macht das bestimmt nicht.

Hubert von Goisern am 14. Oktober in der Arena Trier, die laut Veranstalter Ingo Popp für diesen Abend mit "Club-Atmosphäre" ausgestattet werden soll - also nicht der Groß-Aufbau in der gesamten Halle. Karten sind erhältlich in den TV-Servicecentern Trier, Bitburg, Wittlich; Ticket-Hotline 0651/7199-996; www.volksfreund.de/tickets