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"Wir versuchen, den Kitsch auf Armlänge fernzuhalten"

"Wir versuchen, den Kitsch auf Armlänge fernzuhalten"

Besinnlich und traditionell statt kitschig und überfrachtet: So beschreibt Sänger und Jazzmusiker Nils Landgren das Erfolgsgeheimnis seiner Konzerttour "Christmas with my Friends". Am Samstag, 20. Dezember, spielt er mit Musikerfreunden wie Sharon Dyall, Jonas Knutsson, Jeanette Köhn und Johan Norberg Weihnachts- und Volkslieder in der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin Trier.

Trier. Nils Landgren gehört zu den namhaftesten europäischen Jazzmusikern. Sein vielseitiges Schaffen wurde mit zahllosen Preisen ausgezeichnet. Besonders in Deutschland hat er sich einem großen Publikum bekanntgemacht, unter anderem als Leiter der NDR Bigband und des JazzFests Berlin. Vor acht Jahren hob "Mr. Red Horn", wie er in Anspielung auf seine rote Posaune genannt wird, ein besonders erfolgreiches Projekt aus der Taufe: "Christmas with my Friends". In dieser Reihe, zu der inzwischen die vierte CD vorliegt, interpretiert er mit schwedischen Jazzfreunden traditionelle und moderne Weihnachtslieder aus aller Welt. Worum es ihm dabei geht, hat Landgren TV-Mitarbeiterin Anke Emmerling erzählt.Wie ist die Idee zu "Christmas with my Friends" entstanden? Muss man als Musiker immer auch ein Weihnachtsprojekt auf die Beine stellen?Nils Landgren: Nun, die Idee ist nicht originell, das machen ja wirklich alle. Aber meine Überlegung war: Warum ist alles Weihnachtliche so überladen? Ich würde gerne etwas nachdenklichere Musik machen. Bei uns im Norden gibt es ja viel davon. Ich habe sehr lange überlegt, ob ich das überhaupt anfangen sollte. Schließlich kam ich zur Überzeugung, es nur zu tun, wenn ich die richtigen Musiker und die richtige Musik gefunden habe. Und als das gegeben war, haben wir gesagt, wir machen es einfach und gucken, ob es jemanden interessiert.Das Interesse ist offensichtlich da. Sie touren jetzt mit dem Programm zur bereits vierten CD. Was ist Ihr Erfolgsrezept?Landgren: Unser Punkt ist, besinnlich auf Weihnachten einzustimmen. Ich merke immer, dass bei den meisten Weihnachtsdingen von allem zu viel gemacht wird. Wir wollten nicht dagegen ankämpfen, aber unsere eigene Sichtweise auf Weihnachten präsentieren, klarer und andächtiger. So haben wir angefangen zu arbeiten, und ich glaube, das ist uns auch gelungen. Wir haben einen Nerv getroffen, der nicht so oft getroffen wird. Okay, wir sind damit natürlich auch ein Teil des Kommerzes, wir leben ja davon, dass Leute uns hören wollen. Aber es ist ganz toll, dass sie genau diese Art von Weihnachtsmusik hören wollen. Diese Art, die wir vorstellen, hat wahrscheinlich etwas, was die anderen nicht haben. Nach welchen Kriterien suchen Sie die Lieder aus? Landgren: Wir sind acht Leute in dieser Truppe. Jeder sucht erst einmal für sich und gibt Vorschläge ab. Aus denen treffen wir eine Vorauswahl, reden darüber, was am besten passen würde,und versuchen das dann für uns zu arrangieren. Und die Songs, die in unseren Ohren am besten funktionieren, die nehmen wir auf.Ist es schwer, die Balance zu halten, damit es nicht kitschig wird?Landgren: Was Kitsch ist, liegt ja im Auge des Betrachters, das muss jeder für sich entscheiden. Wir versuchen auf jeden Fall, den Kitsch mindestens auf Armlänge fernzuhalten.In Ihrem Programm gibt es zwar nicht nur, aber doch viele traditionelle Lieder. Sie haben auch schon mal traditionelle schwedische Lieder zusammen mit Esbjörn Svensson aufgenommen. Welches Verhältnis haben Sie zur Tradition?Landgren: In Schweden haben wir eine ununterbrochene Volksliedtradition über die Jahrhunderte, und ich glaube, jeder, der oder die im Norden geboren ist, hat ein Verhältnis dazu. Denn da gibt es ja übers Jahr sozusagen Volklieder für jeden Zweck. Mein Großvater war Pfarrer auf der Insel Gotland, und ich bin mehr oder weniger mit dem Ganzen aufgewachsen. Später habe ich erfahren, dass manche dieser Volkslieder aus Deutschland stammen und dass uns verbindet, dass wir eine vergleichbare Kirchentradition haben, die sich mit der Volksliedtradition überschneidet. Das finde ich sehr interessant, dass es so viele Lieder gibt, die woanders herkommen und von uns adoptiert worden sind. Das merkt man aber erst, wenn man anfängt zu recherchieren, um neue Songs zu machen.Mit Ihrer Musik unterstützen Sie seit vielen Jahren Bildungsprojekte für Kinder in Afrika. Kürzlich haben Sie und Ihre Band Funk Unit in Musikschulen eines Townships in Soweto unterrichtet. Warum ist Ihnen das wichtig?Landgren: Wir können die Kinder positiv beeinflussen, wenn es um die Zukunft geht. Durch Musik kann man immer einen Schritt weiterkommen. Musik ist für alle, Musik ist universell, Musik kennt keine Grenzen, und deshalb sind wir voller Hoffnung, dass auf jeden Fall ein paar von diesen jungen Leuten eine Karriere mit Musik machen können. Wichtig ist auch, dass wir als Musiker und als Menschen etwas tun für die Leute, die es nicht so gut haben.Ihre eigene Karriere hat sich maßgeblich in Deutschland entwickelt. Was verbindet Sie mit Deutschland und speziell mit Trier, wo Sie schon häufig aufgetreten sind?Landgren: Ich habe Ende der 1990er Jahre angefangen, richtig in Deutschland zu arbeiten, mit der NDR Bigband. Meine Plattenfirma ist deutsch, meine Agentur und meine Professur sind in Hamburg - da ist so viel, das mich mit Deutschland verbindet. Und hier gibt es ein tolles Publikum. Über die Jahre ist es mir gelungen, mehr und mehr Leute zu erreichen. Ich glaube, die meisten skandinavischen Musiker würden zustimmen, dass Deutschland das beste Land in Europa ist, um zu spielen. Nach Trier bin ich zum ersten Mal mit der Bigband gekommen, das muss auch so Ende der 90er gewesen sein. Ich fand die Stadt gleich sehr schön, wegen ihrer alten Geschichte und ihrer Lage. Es ist eine der schönsten Ecken Deutschlands. aeDas Konzert "Christmas with my Friends" beginnt am Samstag, 20. Dezember, um 20 Uhr in der Arena Trier. Tickets gibt es im TV Service-Center Trier, bei der TV-Tickethotline 0651/7199-996 und im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de/tickets" class="more" text="www.volksfreund.de/tickets"%>Extra

Der Trierische Volksfreund und Popp Concerts verlosen 3x2 Karten für das Konzert und drei DVDs zu "Nils Landgren - Christmas with my friends", aufgenommen live in der Odensala Medieval Church in Stockholm-Märsta in Schweden, produziert von Siegfried Loch. Und so können Sie gewinnen: Einfach die Hotline 01379-370082 anrufen, Name, Anschrift und als Lösungswort "Landgren" angeben. Online-Teilnahme ist möglich unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de/danke" class="more" text="www.volksfreund.de/danke"%> Teilnahmeschluss ist der 12. Dezember 2014 , ein Anruf aus dem deutschen Festnetz kostet 50 Cent; abweichende Preise aus dem Mobilfunk. Die Gewinner werden von uns benachrichtigt und am Samstag, 20. Dezember, auf der Wir-für-Sie-Seite bekanntgegeben. red