Wirre Beziehungen in einer wirren Welt

Wirre Beziehungen in einer wirren Welt

Zwischenmenschliche Beziehungen, Vereinsamung und eine verrückte Gesellschaft - das sind einige der Themen, die in Harold Pinters "Der Hausmeister" aufgearbeitet werden. Am Montag hat das Stück in der Inszenierung von Pol Cruchten in Luxemburg Premiere gefeiert.

Luxemburg. Das Chaos wird nur angedeutet. Auf der Bühne stehen neun Toaster, ein Einkaufswagen voll mit alten Zeitungen, ein Bücherregal aus einer Europalette. Unter der Bühne liegen ausrangierte Röhrenmonitore.
Die wahre Wohnung eines Messies dürfte um einiges unaufgeräumter, mit viel mehr nutzlosem Kram zugestopft sein. Trotzdem wird die Unordnung in Astons Leben im Théâtre National in Luxemburg auf der Bühne deutlich. Im Drei-Personen-Stück "Der Hausmeister" von Harold Pinter lädt besagter Aston den Obdachlosen Davies ein, bei ihm zu übernachten. Davies nimmt an - und versucht später, einen Keil zwischen Aston und seinen Bruder Mick zu treiben.
Die Darsteller vollführen ein intensives Spiel - viele Motive brodeln unter der Oberfläche, und die drei Männer bringen sie zum Vorschein. Marc Baum in der Rolle des Aston arbeitet kaum mit großen Gesten. Stattdessen spielt er oft mit kleinster Gesichtsmimik, macht seinen Charakter damit zerbrechlich und verletzbar. Ganz im Gegenteil zu Nickel Bösenberg: Dessen Mick ist von Anfang an undurchsichtig und betont aufgesetzt.
Georg Martin als Obdachloser Davies durchlebt keine große Entwicklung, wird nicht mittendrin zum Bösewicht, sondern ist es von Anfang an. Rassistische Äußerungen, Komplimente und Beleidigungen, all das zeigt Martin in derselben Selbstverständlichkeit: Davies ist nun mal, wie er ist.
Auch die komödiantischen Elemente werden bei aller Spannung von den drei Schauspielern mühelos umgesetzt. Manchmal aber ist die Ablenkung groß: So wird auf der Bühne Zigarre geraucht, was bei Außentemperaturen von mehr als 30 Grad so manchen Zuschauer an die Grenzen der Belastbarkeit bringt. alo
Weitere Aufführungen: 29. und 30. Juni sowie 6., 7. und 8. Juli, jeweils um 20 Uhr.