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Wissenschaftler treffen Ballermänner

Wissenschaftler treffen Ballermänner

Computer- und Videospiele prägen die Unterhaltungskultur der Gegenwart. Doch welche Auswirkungen haben die virtuellen Welten auf die Gesellschaft? Wo liegen die Zusammenhänge zwischen Spielen und Verhalten? Fragen wie diese diskutieren Wissenschaftler aus aller Welt beim "Clash of Realities" in Köln.

Köln. Mit der internationalen Computerspiele-Konferenz "Clash of Realities" (Zusammenprall der Wirklichkeiten) haben die Fachhochschule Köln und Spiele-Branchenführer Electronic Arts eine im Zweijahresrhythmus stattfindende Plattform geschaffen, die Wissenschaftler und Spieler, Fans und Skeptiker zusammenbringen soll. Die für alle interessierten Zuhörer offene Diskussions- und Vortragsreihe hatte 2006 Premiere, heute beginnt die dritte Runde.

Abhängigkeit und Gewalt, Geschlechterrollen, politische Implikationen, aber auch die Potenziale des Lernens, des kulturellen Ausdrucks und der ästhetischen Gestaltung sowie des bewussten Freizeiterlebens prägen die Debatten an der Fachhochschule Köln. Erwartet werden Forscher aus den USA, Großbritannien, Italien, Dänemark, Österreich, der Schweiz und Deutschland. Sie vertreten die Fachgebiete Medienwissenschaft, Spieleforschung, Medienpädagogik, Psychologie und Sozialwissenschaft, Filmwissenschaft, Design und Informatik.

"Wir werden aus unterschiedlichen Fachrichtungen auf die Besonderheiten der zeitgenössischen digitalen Spielwelten Bezug genommen", erläutert Professor Winfred Kaminski, Tagungsleiter und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Medienforschung und Medienpädagogik der Fachhochschule Köln. "Es werden aktuelle Fragen aufgenommen, um der Öffentlichkeit zu ermöglichen, wissenschaftlich fundierte Antworten zu finden."

Unter dem Tagungstitel "Computerspiele: Medien und mehr" wird über Online-Rollenspiele und Actionspiele ebenso diskutiert wie über digitale Sportspiele, Planungs- und Strategiespiele und andere Spielekategorien. Mit Blick auf die "Politik der Spiele" wird nachgefragt, welche Politikmodelle in Computerspielen auftreten und ob sie über die spielerische Interaktion hinaus auch Gelegenheit zu "gesellschaftlicher Partizipation und Engagement" bieten.

Unter dem Oberbegriff "Jugendkultur" geht es unter anderem um Freizeiterleben, um Identitätsfindung, um die Entstehung neuer Sozialräume durch virtuelle Spielwelten sowie um soziale Prozesse und die Rolle der sozialen Gruppen.

Auch die Psychologie des Spielens wird im Mittelpunkt stehen. Leibniz-Preisträger Dietrich Dörner fragt: "Haben Maschinen Seelen oder ist unsere Seele eine denkende Maschine?" Dieser Themenbereich umfasst die Spielsucht: Wie sehen mögliche Therapien aus? Kann man das Phänomen Spielsucht und exzessives Spielen sozialwissenschaftlich und psychologisch erfassen? Welche Chancen haben Beratung und Prävention?

Die Rolle des Spiels als Leitmedium der Unterhaltung und Weiterentwicklung des Films steht ebenso auf dem Programm wie die narrativen Möglichkeiten. Computerspiele als Kunstform und Kulturgut - eine solche Betrachtungsweise polarisiert natürlich. Doch auch Skeptiker und Anhänger der "Alles verbieten"-Fraktion sind in Köln willkommen, um mitzudiskutieren.

extra Zeitplan: Der "Clash of Realities" beginnt heute um 15 Uhr mit einer Begrüßung durch den Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters, Electronic-Arts-Geschäftsführer Olaf Coenen und Professor Sylvia Heuchemer, Vizepräsidentin der FH Köln. Das Abschlussgespräch beginnt am Freitag um 12 Uhr. Ort des Geschehens ist in beiden Fällen die Aula der Fachhochschule. Killerspiele: Im Blickpunkt wird sicher Professor Dietrich Dörners Vortrag "Killerspiele und Gewalt" (Donnerstag, 17 Uhr, Aula) stehen. Teilnahme: Jeder Interessierte kann die Vorträge und Diskussionen des "Clash of Realities" kostenlos besuchen, muss sich aber unter www.clashofrealities.de anmelden. Dort steht auch der genaue Zeitplan. (jp)