Worüber jeder schweigt

Worüber jeder schweigt

Zu den Internationalen Photomeetings 2009 trafen sich Fotografen, Studenten und Fotobegeisterte aus ganz Europa in Luxemburg. Thema war "Taboo".

Luxemburg. "Du musst etwas mehr auf das Licht achten", sagt Peter Bialobrzeski und zeigt auf ein überbelichtetes Gesicht. Der Starfotograf und World Press Award Gewinner von 2003 ist mit seinen Studenten zu den Internationalen Photomeetings nach Luxemburg gekommen. Mit hoher Konzentration arbeitet die Gruppe, der auch ein paar Fotobegeisterte aus der Region angehören, an ihrer Bildaufgabe. Tagelang waren die Fotografen unterwegs. Jetzt wird die Ausbeute in einem Seminarraum der Luxemburger Universität gesichtet und besprochen. "Ich frage bei einem Foto immer gerne "warum", erläutert der Hochschullehrer.

Und noch einen Rat hat er für Leute, die gute Fotografen werden wollen: " Man muss durchhalten, bei einem bleiben und sich nicht ablenken lassen". Einer Foto-Akademie gleicht die Luxemburger Uni während des Meetings. Allerorts wird über Fotografie und Fotokunst diskutiert, Fotos werden ausgebreitet, zwischendrin Vorträge gehalten. Acht Hochschulen aus ganz Europa bis hin nach Budapest sind mit Lehrern und Studierenden zur fünften Ausgabe der Photomeetings angereist. "Ich finde, das ist ein hervorragendes Projekt, bei dem Europa voneinander lernen kann", schwärmt Abel Szalontai. Als Suche nach Ruhe und Verständigung in einer bilderüberfluteten Welt charakterisiert der Professor von der ungarischen Moholy Nagy Universität sein Werk. In einen Schauraum hat sich das Foyer der Hochschule verwandelt.

"Taboo" heißt das große Thema des diesjährigen Treffens. Mit ihrer Kamera haben die Studenten und ihre Lehrer bisweilen schonungslos ans Licht gebracht, worüber man ansonsten schweigt, wovon man die Finger zu lassen hat oder was man einfach verdrängt. Hocheindrucksvoll Lia Darjes Serie "Fleisch", Sebastian Glombiks Bilder einer Intensivstation und Larissa Mesinovics "Selbstverletzungen". Jeder weiß, dass es sie gibt, aber niemand spricht darüber", bestätigt der junge Ungar Árpád Horváth.

Leichte Kost sind die Fotos zum Thema wirklich nicht. Matteo Basilés schwangere Päpstin mag ebenso schockieren wie Bialobrzeskis Elendsquartiere, Petra Arnolds "Hell Angels" oder die schöne neue Welt des Designs der Amerikanerin Marla Rutherford. Die interessantesten Fotos sind in den nächsten Wochen noch in der Galerie Clairefontaine zu besichtigen, die das Meeting in Zusammenarbeit mit der Universität und dem Kulturministerium organisiert hat. Ansehen lohnt sich, am besten nicht mit vollem Magen.

Bis 3. Oktober, Galerie Clairefontaine, Espace Lu.2, Öffnungszeiten: Di-Fr 14.30-18.30Uhr, Tel.: 00352 472324

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