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Wunderbar beseelt, warm und weich

Sorgen für den Klangteppich: die Streicher. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Sorgen für den Klangteppich: die Streicher. TV-Foto: Eva-Maria Reuther FOTO: Eva-Maria Reuther (er) ("TV-Upload Reuther"
Trier. Mit einem eindrucksvollen Konzert beendete das Collegium Musicum der Universität Trier das Sommersemester in der Pfarrkirche Heiligkreuz. Verabschiedet wurden dabei auch Orchesterassistentin und Konzertmeisterin Julia Neumann und Chorassistent und Stimmbildner Philip Farmand.

Trier. Er ist zwar schon seit 2010 Musikdirektor der Universität Trier, aber er bleibt eine immer neue Entdeckung. Einmal mehr zeigte sich beim diesjährigen Sommerkonzert des Collegium Musicum der Hochschule: Mariano Chiacchiarini ist ein Dirigent, den man in Trier gerne auch anderswo erleben würde. Mit Tiefsinn und einem brillanten Gespür für Klangvaleurs und Dynamik leitete der 1982 geborene Argentinier das Semester-Abschlusskonzert des Collegiums. Dabei liegt ihm jedwede Effekthascherei fern, auch die in eigener Sache. Wenn er da vorn vor seinem Publikum steht, kommt musikalische Leidenschaft zu Wort. Nicht im Sinne nebulöser Schwärmerei, sondern als seelische und geistige Hingabe und Durchdringung. Ein ausgesprochen reizvolles wie originelles Programm hatten sich die Musiker erarbeitet, bei dem sich gleichermaßen Chor wie Orchester als vorzügliche Interpreten präsentierten, denen Musik dringliche Seelenarbeit war.
Zwei ganz unterschiedliche Komponistenpersönlichkeiten bestimmten den Abend. Den Chorwerken des zeitgenössischen amerikanischen Komponisten Morten Lauridsen stand Antonín Dvor{cech}áks 8. Sinfonie in G-Dur, op.88 gegenüber. Der Abend begann mit Lauridsens "Lux Aeterna" für Chor und Orchester, dem Texte verschiedener Totenmessen zugrunde liegen. Wunderbar beseelt machte der Chor die tiefe Heilssehnsucht und Erlösungshoffnung hörbar, die Lauridsens Musik mit ihrer Wärme und teilweisen Klangopulenz veräußert. Einen weichen Klangteppich legten die Streicher aus, aus dem die Stimmen gleichsam gen Himmel stiegen. Wunderbar die klaren, glockenreinen Soprane, in denen die alte christliche Lichtmystik Klanggestalt wurde. Sehr fein und tröstlich das "Agnus Dei". Anrührend in seiner volksliedhaften Schlichtheit erklang anschließend das "Dirait-on" des Amerikaners für Chor und Klavier (Piano: Agapi Triantafyllidi). Der Reflexion über die ein wenig naive Selbstverliebtheit der Rose aus Lauridsens "Chanson des Roses" liegen Texte von Rainer Maria Rilke zugrunde. Einmal mehr zeigte sich, wie sensibel der Chor vermag, Texte zu durchdringen und stimmlich auszudeuten. Spielfreude und Leidenschaft für die Musik bestimmten auch Dvor{cech}áks Sinfonie. Chiacchiarini erwies sich als hervorragender Dramaturg, der die vielfältigen Motive und Stimmungen fein herausarbeitete, frisch und klar strukturiert dirigierte, den weiten sinfonischen Bogen schlug und schöne Klanglinien bildete. Sehr fein: die Flöten.
Bei allem Wohlklang und aller Heimatliebe, die aus Dvor{cech}áks Musik sprechen, machten Chiacchiarini und sein Orchester auch die düsteren und bedrohlichen Momente der Musik hörbar. Hinreißend: das berühmte Allegretto grazioso mit den hauchzarten Streichern und der temperamentvolle Schlusssatz. Ein Konzertabend, der genau das bot , was Musik ihrem Wesen nach von Interpreten wie Zuhörern verlangt: Hingabe, Klangsinn und einen Zugriff gleichermaßen mit Herz wie Verstand. Zu Recht jubelte das Publikums am Ende in der voll besetzten Kirche. er