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Yasam Sasmazer und Ulrich Riedel im Trierer Palais Walderdorff

Yasam Sasmazer und Ulrich Riedel im Trierer Palais Walderdorff

Mit zwei gegensätzlichen Ausstellungen startet die Gesellschaft für Bildende Kunst in Trier nach der Sommerpause. Den realistischen Figuren von Yasam Sasmazer im Obergeschoss stehen die abstrakten Arbeiten von Ulrich Riedel gegenüber. Es bleibt beim Nebeneinander, ein Dialog entsteht nicht.

Trier. "Aber Großmutter, warum hast du denn einen so großen Mund?" Wer hätte sich als Kind nicht mit Rotkäppchen vor dem Wolf gefürchtet. Die Kindheit ist ein Land der Widersprüche, freudvoll und abenteuerlustig, aber auch voller Ängste und Bedrohungen. Yasam Sasmazer setzt sich in ihren Arbeiten, die derzeit im Palais Walderdorff zu sehen sind, mit dem "bedrohlichen Land" der Kindheit auseinander.
"Das Hauptthema meiner Skulpturen ist das Menschsein, insbesondere die Idee des Kindseins", schreibt die türkische Künstlerin über ihr Werk. Allerdings sind Sasmazers Kindergestalten keineswegs nur schutzlose kleine Wesen im Spannungsfeld von eigenen Wünschen und erzieherischen Ansprüchen, fremd zuweilen im eigenen Körper oder sogar Opfer einer kalten, gewalttätigen Welt. In den Holzskulpturen der 1979 geborenen und in Istanbul lebenden Künstlerin nimmt auch das "kleine Ungeheuer" Kind mit seinem Vorrat an Grausamkeit und Aggression Gestalt an.
Sasmazers Kinderskulpturen leben von der Haltung und der Geste. Ein eingeknickter Fuß, ein gesenkter Kopf geben Auskunft über Befindlichkeit und Seelenzustand ihrer Besitzer. Die Figuren der Künstlerin wollen freilich mehr, als die Psychologie der Kindheit verbildlichen. Sie stellen das Menschsein in seinem Wesen genauso wie in seinen Wirklichkeitskonstruktionen dar. Sasmazers Werk ist ohne Frage sehenswert. Leider ist der in Trier gezeigte Ausschnitt so klein und so unattraktiv präsentiert, dass man kaum einen echten Eindruck von der wirklichen Qualität des Werks gewinnen kann.
Völlig kalt lassen einen die im Erdgeschoss gezeigten Arbeiten des gleichaltrigen Künstlers Ulrich Riedel. Die Auseinandersetzung des Berliners mit dem Thema Kommunikation, seine Umsetzung von Zeichen und Zahlen in plastische Formen und in Lichteffekte ist formal weitgehend nicht überzeugend und zudem eine weitere Auflage von Altbekanntem. er

Die Ausstellung ist noch bis 13. August zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 11 bis 13 Uhr, Dienstag, Donnerstag und Freitag auch 14 bis 17 Uhr.
Im Internet: www.gb-kunst.de, Telefon: 0157/ 87690378