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York trifft Trier: Galerie Junge Kunst zeigt englische Künstler

 Feinsinnig: Nathan Chenerys Grafiken. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Feinsinnig: Nathan Chenerys Grafiken. TV-Foto: Eva-Maria Reuther
Trier. Die Galerie Junge Kunst in Trier hat Besuch: Sechs befreundete Künstler aus dem englischen York zeigen dort bis Ende Februar ihre Werke. Nicht nur in der Technik, sondern auch in der Qualität unterscheiden sich die Arbeiten.

Trier. Künstler aus York sind zur Zeit zu Gast beim Verein Junge Kunst in Trier. Die sechs jungen Engländer, darunter zwei Frauen, präsentieren Positionen aus Malerei, Grafik und Fotografie. Es ist eine ganz unaufgeregte Schau, ein gemütliches künstlerisches Beisammensein, bei dem die Stillsten die Auffallendsten sind. So wie Nathan Chenery, dessen feinsinnige, technisch perfekte grafische Arbeiten herausragen. Der junge Brite, der an der Kunstakademie in York grafische Techniken unterrichtet, ist das erste Mal an der Mosel. "Trier ist eine großartige Stadt", schwärmt er ganz ohne angelsächsische Zurückhaltung. Im Gegenzug bestätigen Britta Deutsch und Stefan Philipps, über dessen Aufenthalt in York der Kontakt zustande kam, dass auch aus Trierer Sicht nicht nur in Sachen Kunst die englisch-deutsche Chemie stimmt.
Die Qualität der Arbeiten ist unterschiedlich. So zeigt der Fotograf Tom Rodgers neben Belangslosem ein paar stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Fotos. Sally Taylors fröhliche kleine Buchumschläge, die, wie die Künstlerin britisch witzig formuliert "den Mund voll Dreiecke" haben, sind auch mit vollem Mund ausnahmsweise wohltuend beredt. Kirsty Boutles kokette Schleifen daneben erinnern an biedermeierliche Malerei und Jungmädchen-Launen.
Wer sich von dieser Ausstellung Hinweise auf das brodelnde wie brutale Kunstzentrum London erhofft, wird enttäuscht. Da scheint es auf der britischen Insel nicht anders zu sein als hierzulande. Gut 300 Kilometer vom Zentrum geht es in der Kunst eher beschaulich zu. Zumindest vermittelt die Ausstellung in der Jungen Kunst den Eindruck, dass man sich im etwa 200 000 Einwohner zählenden York, das wie Trier als römische Provinzhauptstadt aufblühte und bis heute sein mittelalterliches Stadtbild beibehalten hat, eher auf kunstgeschichtlich Bewährtes, denn auf zeitgenössisch Waghalsiges verlässt - zumindest in diesem Ausschnitt der städtischen jungen Kunstszene. er
Die Ausstellung ist noch bis zum 25. Februar zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr, sowie nach telefonischer Vereinbarung, Telefon 0651 / 9 76 38 40.