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Zärtliche Versenkung, hymnische Kraft

Klingende Liebeslyrik: der Kammerchor Portavoci unter Marcus Adams in der Trierer Konstantinbasilika. TV-Foto: Martin Möller
Klingende Liebeslyrik: der Kammerchor Portavoci unter Marcus Adams in der Trierer Konstantinbasilika. TV-Foto: Martin Möller FOTO: Martin Möller (mö) ("TV-Upload M?ller"
Trier. Der hervorragende Ruf des Kammerchors Portavoci hat sich in Trier längst verbreitet. In der Konstantinbasilika sangen 14 Damen und Herren des Ensembles Vertonungen aus dem biblischen Hohelied und aus weltlicher Liebeslyrik. Im Anschluss wurde eine Ausstellung mit Hohelied-Bildern des Trie rers Werner Persy eröffnet.

Trier. Sie verlieren sich fast in der riesigen Trierer Konstantinbasilik, die je sieben Sängerinnen und Sänger von Portavoci. Aber kaum sind die ersten Töne verklungen, wird aus einer optisch unauffälligen Gruppe ein akustisch präsenter und dazu emotional bewegender Klangkörper.
Chorleiter Marcus Adams geht schon zu Beginn mit der dichten Polyphonie von Leonhard Lechners Motetten nach dem biblischen Hohelied echte Risiken ein. Aber nach einem unentschiedenen Einstieg fängt sich der Chor rasch. Die subtile Klang-rhetorik Lechners ist bei Adams und seinem Ensemble in besten Händen, und die enorme Dramatik der folgenden, sängerisch heiklen Erotik-Vertonungen aus Claudio Monteverdis viertem Madrigalbuch gleichfalls. Dass Details in der halligen Basilika-Akustik untergehen, ist kein Wunder. Da hätte in polyphonen Strukturen den (an sich korrekten) Stimmeneinsätzen mehr Bestimmtheit sicher nicht geschadet. Vielleicht wären in anderer Umgebung auch die ohnehin minimalen Intonationstrübungen ganz ausgeblieben.
Aber viel wichtiger als solche Details bleiben die durchgehende Präsenz und die bruchlose Gestaltungsstärke, die dieses Ensemble ausstrahlt. Es beherrscht beides: zärtliche Versenkung und hymnische Kraft.
Bei Portavoci ziehen Sängerinnen, Sänger und Dirigent den Hörer fast magisch hinein ins emotionale Zentrum der gesungenen Kompositionen - nicht nur in der Alten Musik sondern auch bei Ola Gjello, John Rutter und A. H. Brewer aus dem 20. und 21. Jahrhundert.
Alle Werke des Programms drehen sich um das vielschichtige Thema Liebe - mal fromm und sinnlich zugleich bei Lechner, mal geistlich verklärt bei Gjello, mal heiter und skurril bei Rutter und von durchaus handfester Erotik bei Monteverdi. Aber ganz gleich, wie der Komponist mit dieser Thematik umging - immer wieder bestechen in diesem Kammerchor die Natürlichkeit und Organik des Musizierens, bestechen das klingende Pianissimo und das unforcierte Forte, besticht auch die zugleich deutliche und fließende Sprachgebung. Und wenn sich die Akteure gegen Ende bei Brewers Magnificat ganz in die Apsis zurückziehen und Marcus Adams am mobilen Orgelspieltisch die zarten Stimmen im neuen Eule-Instrument zum Klingen bringt, dann kommen weltlich auftrumpfende Erotik und geistliche Innigkeit zusammen. Da stört selbst das Geläut vom Roten Turm nur wenig.
Mehr als 150 Chormusik-Liebhaber waren an diesem Sonntagnachmittag dabei. Der Ruf von Portavoci hat sich im Trierer Musikleben längst verbreitet. Zahlenmäßig ist das Ensemble indes an der Untergrenze auch eines Kammerchors. "Sängerinnen und Sänger gesucht" heißt es im Programmheft.
Anschließend an das Konzert wurde im historischen Weinkeller der Basilika (Südostecke, neben dem Baptisterium) eine Ausstellung mit 13 Gemälden von Werner Persy eröffnet - auch dies ein Beitrag zum Hohelied (bis 20. November). mö