Zauberhafte Zauberflöte

Zauberhafte Zauberflöte

85 Jahre ist Peter Brook inzwischen alt, und im Olymp der Bühnenregisseure hat er sich längst einen Platz unter den weltweit Größten seiner Zunft gesichert. Warum man ihn den Theatermagier nennt, zeigt auf beeindruckende Weise sein Konzentrat von Mozarts Zauberflöte, das im Grand Théâtre zu sehen ist.

Luxemburg. Wie viel Ausstattung braucht Theater? Andersrum gefragt: Mit wie wenig Brimborium kommt eine Geschichte auf der Bühne aus, wenn sie gut erzählt ist? Peter Brooks "leere Räume" setzen da seit 65 Jahren Maßstäbe. Seine immer wieder bewiesene These: Es geht auch einfacher, klarer, konzentrierter. Man muss nur den Mut haben, Überflüssiges wegzulassen.

Inhaltlich heißt das: keine aufgesetzte Bedeutungshuberei, aber auch kein Wiederkäuen von Traditionen. Wegfall vieler Nebenhandlungen und Personen. Reduzierung des Bühnenbildes auf das Unerlässliche. In der Oper ist das noch schwieriger als im Schauspiel. Vielleicht ist Brook seiner Hassliebe deshalb jahrzehntelang aus dem Weg gegangen. Nun hat es ihn, zum Abschied von "seinem" Theater in Paris, doch gereizt, den lange gehegten Plan für Mozarts "Zauberflöte" zu realisieren. Mit Luxemburg als einem von zehn weltweiten Partnern.

Die Bühne zeigt einen kleinen Wald von Bambusstangen, die mit wenigen Handgriffen so arrangiert werden, dass sie Räume und Szenarien schaffen. Das ist alles an Ausstattung. In dieser Zauberflöte gibt es keine Damen, keine Knaben, keine Priester, keine Freimaurer-Symbolik. Es gibt nicht einmal ein Orchester, der Komponist Franck Krwawczyk hat Mozarts Musik gekonnt für Klavier eingerichtet.

Spannend, was aus dieser - sicher manchmal schmerzhaften - Entschlackung entsteht. Da wird aus der erdenschweren Sinnsuche unversehens eine Generationen-Geschichte. Zwei junge Paare, die sich finden wollen, und die Welt der Alten, die ihnen im Weg steht. Mozart als musikalischer Bruder von Shakespeare, Pamina und Tamino als Verwandte von Romeo und Julia. Erstaunlich, welche Zärtlichkeit bei Mozart zu entdecken ist.

Brook pfropft kein Konzept auf, er legt Schichten frei. Anders als viele Kollegen hinterfragt er aber die Charaktere nicht, er glaubt ihnen. Sein Sarastro ist der Gutmensch, als den ihn seine Musik ausweist. Die Arie der Königin der Nacht liest Brook, ganz einfach, als Gardinenpredigt einer entnervten Mutter an ihre unwillige Tochter. Und man denkt unwillkürlich: Ja, so könnte es tatsächlich gemeint gewesen sein. Könnte. Was Mozart wirklich wollte, weiß eh keiner.

Regisseur macht dem Zuschauer Angebote



Brook drängt dem Zuschauer nichts auf, er macht ein Angebot. Deshalb heißt das Stück in seiner gerafften 100-Minuten-Form nicht "Die Zauberflöte", sondern "Eine Zauberflöte". Neben den Hauptfiguren hat er zwei Schauspieler eingeführt, die als Geister, Sklaven oder Führer mit knappen Dialogen die fehlenden Personen und Handlungselemente ersetzen. So behält die Geschichte ihren Fluss und ihren inneren Zusammenhang.

Das Ensemble ist jung genug, um diese junge Zauberflöte glaubhaft zu erzählen. Dass man bei einer (berührend gespielten) 18-jährigen Pamina wie Jeanne Zaepffel sängerisch noch Abstriche machen muss, liegt auf der Hand. Auffällig der gewandte Papageno von Matthew Morris, und vom schön timbrierten Tamino Adrian Strooper wird man ebenfalls noch hören. Stark auch der Schauspieler William Nadylam und der Pianist Matan Porat, der Mozarts Leichtigkeit einfängt, ohne sie zur Popmusik zu degradieren. Langer, herzlicher Beifall im ausverkauften Haus.

Vorstellungen am 13., 14., 15. Januar, 20 Uhr. Karten nur noch auf Nachfrage an der Tageskasse (00352/47963900). Am 15. fährt von Trier aus ein Bus zur Vorstellung (Anmeldung: 0651/99686432).