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Zehn Ritter der Sangeskunst

Zehn Ritter der Sangeskunst

TRIER. Regnende Luftballons und strahlende Stimmen: Fast 4000 Zuhörer bejubelten in der Arena Trier das Konzert der "Zehn Tenöre".

Die Spot-Sterne blitzen, geheimnisvoll wallt der Theaternebel. Zehn Herren tauchen aus der blauen Bühnennacht auf. Fein säuberlich aufgereiht stehen sie da, adrett geknöpft in graues Tuch mit Weste. "Funicoli, funicola" - schallt es in der Arena und schon geht die Post ab. Die fein gewandeten Musterknaben, die so aussehen, als ob ihnen Mama noch mal eben das Revers gerichtet hätte, sind die berühmten "Zehn Tenöre". Ein bisschen wie ein abgespeckter Männerchor stehen die Jungs aus dem australischen Down under auf der Bühne - bis sie den Mund aufmachen. Wer da nicht wegschmilzt, dem helfen auch keine 40 Grad Raumtemperatur, die es an diesem Abend locker hat. Schließlich sind die Trierer gute Gastgeber. Und die Herren aus Queensland bedanken sich denn auch artig für das heimatlich tropische Wetter. Sozusagen vom anderen Ende der Welt ist die Mischung aus Heldentenören und Boygroup zu diesem Abend im Rahmen der PS-Spar-Aktion der Sparkasse Trier in die voll besetzte Arena gekommen. Und wenn am Ende die Australier "Love is in the air" singen, bestätigt der tosende Saal nur noch einmal, was sowieso schon alle wussten. Die Tenöre vom fünften Kontinent sind Klasse, und Spaß verstehen sie bei allem Sanges-Ernst auch noch.Damen mit glänzenden Augen

Selbst Damen mit fortgeschrittener Lebenserfahrung bekommen da glänzende Augen. Nicht nur, dass die Herren in Grau wie die Helden singen. Als Mann für alle Fälle, wie man schon immer mal einen in Reserve haben wollte, eignen sie sich auch. Immer steigen sie in die richtige U-Bahn, war zu erfahren, in 14 Sprachen können sie Bier bestellen (für Trier haben sie extra "Bitte ein Bit" gelernt), und mit den Hüften kreisen sie wie Elvis in seinen besten Jahren. Ganz zu schweigen vom flotten Hüftschwung à la John Travolta. Und wenn ein Kollege zu lange quasselt, dann stoppen sie ihn mit dem Blick auf die Uhr. Sportlich gingen die zehn Ritter der Sangeskunst ihr Programm an. Das war ein flotter Mix aus Pop Hits, Klassik-Ohrwürmern und Oper "ohne Langeweile" - will heißen, lauter herzzerreißenden Arien. Schließlich ist es in der Oper am schönsten, wenn arienmäßig die Liebe siedet und die Leidenschaften überkochen. Denken die Tenöre übrigens auch. "Wir singen am liebsten Lovesongs", ließen sie ihr jubelndes Publikum wissen. "Das ist Mädel aufreißen" (was eine Down-under-Übersetzung zu sein scheint). Den Damen wärmten die australischen Kavaliere zärtlich das "eiskalte Händchen" (eigentlich überflüssig bei der Hitze). Und wer es bislang nur ahnte, ist nach ihrem Geschmetter sicher: Frauen sind bedenklich wankelmütige Geschöpfe. Kein Wunder, dass die Jungs eingangs mit den Bee Gees gefragt hatten: "How deep is your Love". Richtig mit dem Herzen dabei sind die Australier in ihren heimatlichen Folksongs. Buchstäblich rund geht's, wenn die ansonsten eher weinerliche "Mathilda" mit ihnen walzt. Richtig gigantisch kam die Show aus zehn Stimmen schließlich mit Freddy Mercurys "Bohemian Rhapsody" daher. "Seien sie so verrückt, wie Sie wollen" hatten die Tenöre gleich zu Anfang ihren Fans empfohlen. Die blieben trotzdem vernünftig. Wer allerdings fragt, ob jeder Ton gestimmt hat, ist selber schuld.