Zehn Seelen für den Soul

Luxemburg · Dynamik pur und Partylaune hat ein Konzert der 1968 in Kalifornien gegründeten Band Tower of Power im ausverkauften Luxemburger Club Den Atelier vermittelt. Die zehn Musiker heizten 1000 Zuhörern mit peitschendem Funk und groovigem Soul ein.

 Er verdient den Namen Mr. Soulman: Tower-of-Power-Sänger Larry Braggs. TV-Foto: Anke Emmerling

Er verdient den Namen Mr. Soulman: Tower-of-Power-Sänger Larry Braggs. TV-Foto: Anke Emmerling

Luxemburg. Die Rhythmusmaschine springt an. Satt wummernd bis kräftig peitschend lassen das Schlagzeug von Bandmitgründer David Garibaldi und der E-Bass von Francis Rocco Prestia Funk-Beats durch den Saal hämmern. Darüber gießen sich weiche Melodiekaskaden von Roger Smiths Piano, die plötzlich von messerscharfen Sätzen der fünf Blechbläser durchschnitten werden. Komplettiert wird das Ganze durch kräftige Tupfer rockiger Stromgitarre von Jerry Cortez und der schwarzen Gesangsstimme von Larry Braggs, die allein für den Soul geschaffen zu sein scheint.
Es ist ein elektrisierender Sound, der sofort in die Beine fährt und unmissverständlich auf die Berechtigung des Begriffs "Power" im Bandnamen verweist. Seit 44 Jahren ist Tower of Power mit wechselnden Mitgliedern in Sachen Soul aktiv. Aktuell stehen zehn Musiker auf der Bühne. Einen Verweis auf ihre Ursprünge liefert die Band mit einem James-Brown-Medley. Hier treten die zwei anderen verbliebenen Gründer, Stephen "Doc" Kupka am Bariton-Saxofon, vor allem aber Emilio Castillo hervor. Der lässt sein Saxofon liegen und den "Godfather of Soul" in Gesang und typischer Publikumsanheize wieder auferstehen. Doch das ist nur ein Höhepunkt des Konzertes. Herausragend ist auch eine Version von "Mrs. Jones", die der in hohen Stimmlagen ebenfalls sehr starke Braggs interpretiert, der Tanzhit "Hip" oder eine fantastische Soloeinlage der Rhythmus-Sektion.
Das überwiegend aus eigenen Titeln bestehende Programm ist, von wenigen balladesken Anklängen mit einem Hauch von amerikanischem Soulschmalz abgesehen, durchweg fetzig, treibend und groovend, hier und da auch angejazzt. Dafür sorgen beispielsweise tolle Saxofon-Improvisationen von Tom E. Politzer. Die Musik putscht auf, der Adrenalinspiegel scheint nicht nur beim kräftig mitklatschenden und -singenden Publikum, sondern auch bei den Musikern hoch, die teils mit ihren Instrumenten auf der Bühne tanzen. All das vermittelt den bleibenden Eindruck eines "Kraftturms" mit einer professionellen und dynamischen Live-Musik-Show - Tower of Power eben. ae