1. Region
  2. Kultur

Zeichen setzen gegen die Krise

Zeichen setzen gegen die Krise

Mit der Woche der Baukultur und den abschließenden "Tagen der Architektur" am 27. und 28. Juni wollen die Architekten im Lande auf die Notwendigkeit qualitätsvollen Bauens hinweisen. Kein leichtes Unterfangen in Zeiten von Wirtschaftskrise und Konjunkturflaute.

Trier/Mainz. Das diesjährige Motto "Zeichen setzen" ist nicht zufällig gewählt. "Es geht gegen die Verzagtheit", sagt der Hauptgeschäftsführer der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, Michael Coridaß. Schließlich, so fügt er fast trotzig hinzu, "sind Baukultur und Bauqualität kein Luxus, sondern eine Selbstverständlichkeit".

Wohnungsbau liegt danieder



Wohl doch nicht so ganz, jedenfalls nicht in Zeiten, da öffentliche und private Bauherren jeden Euro zwei Mal umdrehen. Da kommt schnell die Frage auf, ob man nicht auch beim Bauen der Devise "Geiz ist geil" folgen soll.

Im Mai hat die Kammer eine Mitglieder-Umfrage gestartet, die Ergebnisse sind alarmierend und hoffnungsvoll zu gleich. "Der Wohnungsbau liegt danieder", analysiert Coridaß. Die Genehmigungen für Neubauten seien drastisch gesunken. Aber dafür nimmt das "Bauen im Bestand" zu. Qualitätsverbesserung, Modernisierung, Energie-Effizienz, altersgerechter Umbau: Dafür geben die Deutschen Geld aus. So gibt immerhin fast ein Drittel der Architekturbüros im Lande die eigene Geschäftslage als gut, weitere 44 Prozent als befriedigend an. Bleibt aber immerhin noch ein Viertel mit ernsthaften Sorgen.

Solvente Kundschaft hält sich zurück



Auch in der Region ist die Lage unterschiedlich. "Die Struktur verändert sich", sagt der Trierer Architekt Manfred Müller. Für die in den letzten Jahren stark vertretenen "etwas teureren Ein-Familienhäuser" entlang der Mosel sei die Nachfrage "spürbar zurückgegangen". Die solvente Kundschaft aus den Luxemburger Bankenkreisen halte sich derzeit merklich zurück. Dafür gebe es etwa beim Altenheim-Bau eine wachsende Nachfrage. "Wir haben sehr gut zu tun", zeigt sich der langjährige Vorsitzende der Trierer Kammergruppe zufrieden. "Es geht uns jedenfalls nicht schlechter", bilanziert Thomas Hemmes vom Architekturbüro Stein&Hemmes in Kasel. Auch er bestätigt den Trend: Weniger Neubauten, mehr qualitätsvolle Renovierungen. Der Energie-Preisschock habe "in der Bevölkerung einen Bewusstseinsprozess ausgelöst". Momentan sei man "vorsichtig optimistisch", aber eine Prognose "über mehr als ein Jahr wäre gewagt".

Michael Coridaß hofft auf einen positiven Nebeneffekt der Krise: "Vielleicht", sagt er, "gibt es ja künftig mehr Leute, die lieber in Immobilien investieren als in risikoreiche oder ertragsarme Geldgeschäfte".

Zur Woche der Baukultur läuft in Trier ein Rahmenprogramm. Am heutigen Dienstag, 23. Juni, referieren Professor Alois Peitz über "Stadtarchitektur alt-neu" (16 Uhr, Brunnenhof) und Johannes Schilling, Köln über "Baukultur und architektonische Praxis" (20 Uhr, FH). Am Mittwoch, 24. Juni, referieren internationale Urbanistiker von 18 bis 23 Uhr im Frankenturm. Am Samstag und Sonntag stehen bei den "Architektouren" landesweit 66 beispielhafte Objekte hoher architektonischer Qualität zur Besichtigung offen. Die Region ist mit neuen Gebäuden und Renovierungsprojekten in Bitburg, Hockweiler, Manderscheid, Meckel, Trier und Trimport vertreten. Informationen: www.diearchitekten.org oder unter 06131/996023.