Zeichen treffen auf Traumwelten

Zeichen treffen auf Traumwelten

Das Zeichen als künstlerische Verschlüsselung der Welt draußen wie im eigenen Innern ist das Thema der aktuellen Ausstellung im Kunsthaus Zendscheid. Die Schau wird gefördert vom Kultursommer Rheinland-Pfalz.

Zendscheid. Codes und Chiffren bestimmen weithin unsere Alltagswelt, ob es die Preisschilder an der Supermarktkasse sind, die Zahlenkombination am Kofferschloss oder die bekannte Lochkarte. Aber nicht nur das: Auch unsere Träume leben von Zeichen, die gedeutet werden müssen. Ganz zu schweigen von der Kunst. Literatur und Malerei bedienen sich seit jeher der Chiffren, soll heißen der Zeichensprache. So steht etwa die Farbe Blau für Träume.
Ohne weiteres lässt sich sagen: Kunst ist selbst Zeichen. Ihre Bilder, Formen oder Wörter verschlüsseln häufig komplexe Inhalte und Aussagen. Den "Bildräumen und Chiffren" in der Kunst widmet sich auch die aktuelle, gleichnamige Ausstellung im Kunsthaus Zendscheid. Dort trifft sich die in Zeichen verschlüsselte Welt des Geistes mit der Traumwelt der Poesie.
Drei unterschiedliche Positionen vermitteln eindrücklich, wie sich Seelenleben und Vernunft in Zeichen verkürzen und verdichten, und dabei zum neuen Bild und ästhetischen Ereignis werden. Eine Art rheinland-pfälzischer Altmeister in Sachen Codierung ist Joachim Kreiensiek. Die schwarz-weißen Gemälde, des 1961 in Bitburg geborenen Malers, der heute in Mainz lebt, orientieren sich an den Strukturen von Lochkarten. Kreiensieks Arbeiten sind die strengsten und abstraktesten der Ausstellung, ihre Punktserien bilden vielteilige, zuweilen an einen Sternenhimmel erinnernde Ornamente. Allerdings hat sich Kreiensieks seit vielen Jahren praktiziertes Lochkartenmuster inzwischen von der Bildidee zur Manier entwickelt. Komplex und vielschichtig sind dagegen die Arbeiten von Christian J. Hage.
Der 1952 in Paderborn geborene, studierte Architekt, der vor einigen Monaten überraschend starb, ist im Kunsthaus mit Leuchtobjekten aus Plexiglas vertreten. In ihrer Vielschichtigkeit setzen sie gleichermaßen auf den dreidimensionalen Raum wie die Sinnlickkeit der Farbe und die Ästhetik des Schriftbildes. Dabei sind die Wörter der Schriftzüge ihrer begrifflichen Bedeutung entledigt, sie sind einzig als Form und Linie gestalterisches Element. Schriftzüge seien für ihn wie Landschaften, wird der mehrfache Berliner "Kunst im Stadtraum"-Preisträger in einem Zeitungsinterview zitiert. Hages reizvolle Objekte sind ausgesprochen sinnliche Arbeiten, eine vom Licht stimmungsvoll erhellte, transparente, aber intime Innenwelt.
Als Dritte im Zendscheider Künstlertrio hat Lydia Weber ihre Seelenwelt in Schriftzügen veräußert, die poetisch von der Farbe orchestriert werden. Wie aus einem fernen Raum tauchen sie zuweilen aus der Farbe auf oder verschwinden darin. Eine durchaus sehenswerte Ausstellung, die anregt, über die Zeichensprache nachzudenken, die unsere Wirklichkeit in Gang hält und über die wir uns von ihr ein Bild machen. er
Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 18. September. Samstags und sonntags von 13 bis 18 Uhr, und nach Vereinbarung unter Telefon 0151/40747679, <%LINK auto="true" href="http://www.kunsthaus-zendscheid.de" text="www.kunsthaus-zendscheid.de" class="more"%>

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