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Zeitloses Revolutionsstück

Zeitloses Revolutionsstück

Theater Trier: Musiktheater-Projekt "Der Ring-Babybabyballaballa" wird uraufgeführt. Schon Richard Wagner litt an der Ungerechtigkeit der Welt. Sein sozialrevolutionärer "Ring" wurde jetzt neu für das Theater Trier als Musiktheaterprojekt gefasst. Am Freitag wird die Oper uraufgeführt.

Trier Es ist die ideale Oper zur Vorbereitung auf das Karl-Marx-Jubiläumsjahr. "Woher stammt alles Unheil in der Welt?" Die Frage, die Richard Wagner umtrieb, als er sich 1848/49 mit seinem "Ring-Projekt" beschäftigte, hätte der Vater des "Kapitals" kaum anders beantwortet. Schuld an allem irdischen Ungemach sind die Gier nach Macht und Reichtum, die ungerechte Verteilung des Eigentums, und Götter, die sich selbst erledigt haben, stellte der Komponist pessimistisch fest.
"Die Welt ist schlecht, grundschlecht", schrieb er an seinen Kollegen Franz Liszt. Und das seit urewigen Zeiten, wie der damalige Dresdener Hofkapellmeister in seinen Studien der skandinavischen und germanischen Sagenwelt feststellte. Eine Weltgeschichte des Bösen aus der Sage sollte sein vierteiliger Opernzyklus "Der Ring der Nibelungen" (kurz "der Ring"), werden, der via Musikdrama eben dieser Welt den Spiegel vorhalten und an ihrer Besserung mitwirken sollte.
Kein Wunder, dass sich der "sozialrevolutionäre" Komponist eine Aufführung seines Hauptwerks erst "nach der Revolution" denken konnte. Mit der Revolution (gemeint war der Dresdener Maiaufstand von 1849, an dem sich Wagner beteiligte), war es erstmal nichts. Der Aufstand wurde niedergeschlagen und der komponierende Revolutionär musste in die Schweiz fliehen.
Uraufgeführt wurde der Ring schließlich 1876 in Bayreuth und seitdem von Kaisern und Potentaten aller Art gefeiert und in Anspruch genommen, nicht zuletzt damals, als "braun" in Mode war. Für das Theater Trier haben der Komponist Richard van Schoor (Musik) und der Bühnenbildner und Regisseur Thomas Goerge (Inszenierung und Libretto) den Wagner'schen Ring destilliert und mit aktuellen und interkulturellen Links versetzt.
Die zweistündige Oper mit dem Titel "Der Ring - Babybabyballaballa" wird am Freitag in Trier uraufgeführt. Als Collage haben Schoor und George den Wagner-Motiven Texte zu Politik, der jüngeren Zeitgeschichte und der Sagenwelt unterschiedlicher Kulturen, etwa aus Afrika, beigegeben. Erhalten bleibt in der zweistündigen Fassung die Kernsubstanz des musikalischen Revolutionsstücks mit seiner ungeheuer modernen Botschaft. Was im "Ring" verhandelt werde, sei zeitlos aktuell, bestätigt Thomas Goerge. "Für mich ist das Spannende, dass die Themen in der jahrtausendealten Menschheitgeschichte zu aller Zeit dieselben bleiben, nur die Umstände verändern sich", sagt Thomas Goerge. "Wotan ist für mich ein typisches Leistungssubjekt unserer Gesellschaft". Schon im "Ring" gehe es um Kapitalismuskritik, Ausbeutung der Natur und die alten archetypischen Menschheitsthemen wie Neid, Hass, Liebe, Hinterlist, Macht, erklärt der langjährige Bühnenbildner von Christoph Schlingensief.
Befreien wollen van Schoor und Goerge das Stück zudem vom völkischen Beigeschmack. Mit dem Brückenschlag zu anderen Kulturen wollen sie belegen, dass sich die mythologischen Motive des Rings auch in vielen andern Kulturen finden. So wie der Drache, der den Nibelungenschatz bewacht, auch in der Sagenwelt des afrikanischen Händlervolks der Haussa zu finden ist oder als Schlange und Bewacher der Bodenschätze bei den Aborigines.
Für die Musik hat van Schoor die wichtigsten Wagnermotive mit zeitgenössischer Musik bis hin zur Popmusik verbunden. Wagners stabgereimtes Wagalaweia trifft auf das poppige Babybabyballaballa. Die musikalische Leitung der Produktion, die eine Zusammenarbeit von Musiktheater, Schauspiel und Opernchor ist, hat Wouter Padberg.
Uraufführung, Freitag, 7. April, 19.30 Uhr, Theater Trier, Großes Haus