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Zerbrechliche Glanz-Stücke

Ein Hauch von 20er Jahre: "Happy End" (1998/9) aus der Serie "Eros" von Kati Zorn. Foto:
Ein Hauch von 20er Jahre: "Happy End" (1998/9) aus der Serie "Eros" von Kati Zorn. Foto:
KONZ. Buntes Völkchen aus weißem Gold: In der Galerie des Klosters Karthaus in Konz-Karthaus werden Arbeiten der Porzellangestalterin Kati Zorn gezeigt. Von unserer Mitarbeiterin <br>EVA-MARIA REUTHER

Wer Thüringen hört, denkt an Weimar, Wälder und Jagdwaffen - und manch einer auch an einen ehemaligen Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz. Von hier gehen schließlich vielerlei Beziehungen ins Land am Rennsteig. So auch die Partnerschaft zwischen den Kreisen Trier-Saarburg und Saalfeld-Rudolstadt. Was die Trierer Partner zum Anlaß nahmen, ihre diesjährigen Kulturtage unter das Motto "Thüringen" zu stellen. Denn dort gibt es noch eine ganze Reihe unbekannter Attraktionen zu entdecken.So erinnern sich heute meist nur noch Sammler, dass es in der Heimat Luthers im 18. und 19. Jahrhundert eine Reihe blühender Porzellanmanufakturen gab. Eine thüringsche "Porzellanstraße" versucht neuerdings, dem kulturellen Gedächtnis wieder auf die Sprünge zu helfen. Der größte Teil der Werkstätten, die sich zumeist auf Reproduktionen beschränken und von denen die ehrwürdigste die "Aelteste Volkstedter Porzellanmanufaktur" ist, gehört heute zur Seltmann Gruppe in Weiden.Zu den wenigen jüngeren Porzellankünstlern, die versuchen, eigene neue Wege zu gehen, gehört Kati Zorn. Die künstlerische Wende brachte der 1962 in Jena geborenen Gestalterin eine Porzellan-haltige Beziehungskiste. Als die Künstlerin in den 80er Jahren mit einem Antiquitätenhändler zusammen lebte, bekam sie zum ersten Mal Porzellanplastiken der 20er Jahre zu Gesicht. Die mondänen Schönheiten wurden fortan ihre große Liebe.Die Ausstellungsstücke im Kloster Karthaus beweisen es: Die Körpersprache von Kati Zorns Figuren ist wie damals bewegt-elegant, nicht selten erotisch und bisweilen ein bisschen lasziv. Rudolf Marcuse, der Rosenthal-Künstler des frühen 20. Jahrhunderts, steht dabei genauso Pate wie seine Zeitgenossin Wera von Bartels, und auch die Jugendstil-Künstler von Nymphenburg sind mit im Boot.Aber auch sonst folgt das Personal von Zorns zerbrechlicher Menagerie, die Clowns und Faune, die Liebespaare und Fabelwesen, einer langen Tradition. Ebenso überkommen sind die Engel und Teu- felchen, die Uhren, Schalen und andere Gebrauchsgegenstände zieren. Wie die kapriziösen Menschlein und ihre jenseitigen Abbilder und Traumbilder, so sind auch die Themen die alten: Vor allem die Liebe ist es, die Zorns darstellerische Arbeit bewegt. Was ihre Gestalten jedoch zu Kindern ihrer Zeit macht, ist der Ausdruck. Ihre Clowns sind eher pfiffig als tragisch. Harmlos nett in ihrer bescheidenen Buntheit kommen ihre "Weibs- und Mannsbilder" daher. Daneben haben Hühner- und Katzenglück etwas von der naiven Musical-Seligkeit unserer Tage. Es ist gerade diese bunte Naivität, die Kati Zorns Plastiken so zeitgeistlich aktuell, aber vielfach auch so reizend macht.Bis 14. Dezember, di.-fr. 16 bis 18 Uhr, sa. u. so. 15 bis 18 Uhr.