Zeugin unfassbarer Höhen und Tiefen

Zeugin unfassbarer Höhen und Tiefen

TRIER. Zum 150. Jahrestag des Wiederaufbaus der römischen Konstantin-Basilika als evangelische Kirche zum Erlöser erinnert eine Ausstellung an die wechselhafte Geschichte dieses Gebäudes. In den nächsten Wochen rankt sich ein umfassendes Festprogramm um das Jubiläum.

Kaiserliche Palastaula, Schutzburg, bischöflicher Verwaltungssitz, Steinbruch, Schlossflügel, Wohnturm, Soldatenwohnheim, Kleiderkammer, Viehstall, mittelalterliche Shopping-Meile: Es gibt kaum eine Funktion, in der die Basilika in ihrer langen Geschichte noch nicht gedient hat. Zerstört, umgenutzt, wieder aufgebaut, demontiert, rekonstruiert: Kein Gebäude spiegelt vergleichbar die Höhen und Tiefen der Trierer Geschichte wider.Erhalten nur aufgrund eines Irrtums

Dass sie überhaupt noch existiert, ist einer Verkettung unglaublicher Umstände zu verdanken. Nachdem sie über Jahrhunderte mit Ausnahme der römischen Apsis völlig demontiert und zum Anhängsel des daneben gebauten Kurfürstlichen Palais degradiert worden war, wurde sie irrtümlich für den Überrest einer heidnischen Kirche gehalten - was sie nie war. Und ausgerechnet dieser Irrtum bewegte Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV., sie 1856 als protestantische Kirche symbolträchtig wieder aufzubauen. Solch faszinierende Geschichten gibt es reihenweise in der Ausstellung "Auf ewige Zeiten", die sich der Geschichte der Basilika widmet. Der evangelische Kirchenkreis Trier feiert damit den runden Geburtstag - und gleichzeitig das Andenken an den 1956 abgeschlossenen Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg. Seit eineinhalb Jahren hat man die Geschichte aufgearbeitet und Bilddokumente zusammengetragen. Was dabei an Informationen herausschaut, ist höchst spannend und für weniger stadtführungsgestählte Einheimische von hohem Neuigkeitswert. So findet man etwa die Erklärung, wie es zu der skurrilen Eingangssituation am Palastgarten kam. 1856, als die Basilika rekonstruiert wurde, stellte man fest, dass der Palais-Südflügel genau dort stand, wo einst der römische Basilika-Eingang war. Kurzerhand riss man einen Teil des Palais ab, genau so viel, wie dem Basilika-Tor im Weg stand, und "klebte" den Rest an. Nur Luftbilder sind in der Lage, die ganze Kuriosität dieser Konstruktion zu demonstrieren. Freilich belässt es die evangelische Kirchengemeinde nicht beim historischen Rückblick. Das Doppel-Jubiläum wird auch mit einer Fülle von Veranstaltungen gefeiert. Den Reigen eröffnet am morgigen Sonntag um 10 Uhr ein Festgottesdienst, der musikalisch vom Philharmonischen Orchester, dem Bachchor und dem Caspar-Olevian-Chor gestaltet wird. Der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, hält die Predigt. Anschließend werden im Rahmen eines Festakts die restaurierten "Kaupert-Köpfe" enthüllt, Überreste spätklassizistischer Statuen, die im zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Am Sonntagnachmittag um 17 Uhr kombinieren Klaus Peter Goethert und Martin Bambauer historische Erläuterungen zur Basilika mit Orgelwerken aus Epochen, die ihre Spuren an dem Bauwerk hinterlassen haben. Am 9. September (20 Uhr) erlebt das historische Gemäuer eine seltene Herausforderung: Ironie statt Verkündigung ist angesagt, wenn Kirchen-Kabarettist Okko Herlyn gastiert. Am 10. September gibt es tagsüber Sonderführungen durch den Basilika-Palais-Komplex und abends ein festliches Konzert für Bläser und Orgel. Für den 17. September ist ein großes Gemeindefest "in, um, unter und über der Basilika" angesetzt. Am 24. September (18 Uhr) gastiert die Orgel-Legende David Briggs . Ausstellung bis 31. Oktober in der Basilika, geöffnet 10 bis 18 Uhr (So 12 bis 18 Uhr).