Zickzack-Lebenskurs

TRIER. Eine gelungene Synthese aus modernem Jazz und ursprünglicher afrikanischer Musik bietet Sonja Kandels auf ihrem Debüt-Album "God of Laughter".

"Solingbu" - "God of Laughter" - Gott des Lachens" nennt sich Sonja Kandels Debüt-CD und dieser Titel ist Programm. Das Gedicht über die nigerianische Gottheit zeigt die Verbundenheit der gebürtigen Prümerin mit dem schwarzen Kontinent. Die kommt nicht von ungefähr. Zwar wurde Sonja Kandels in Prüm in der Eifel geboren, aber schon eine Woche nach der Geburt ging es nach Niger, wo der Vater als Entwicklungshelfer arbeitete. Zwei Jahre später zog die Familie weiter nach Afghanistan, anschließend ging es nach Kamerun - ein Zick-Zack-Kurs über den afrikanischen Kontinent zeichnet die Lebenslinie von Kandels. Überkritische Psychologen würden in diesem Fall von rastloser Kindheit, von einem manifesten Entwurzelungssyndrom sprechen - aber die CD der Musikerin beweist, dass häufige Ortswechsel auch ihr Gutes haben."Wir waren damals viel mit Leuten von der amerikanischen Schule zusammen und auch mit Missionaren im Busch, haben traditionelle Feste gefeiert," erinnert sich Kandels heute. Dabei habe sie schon sehr früh die erdverbundene Musik der Afrikaner miterlebt und afrikanischen Rhythmus quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Was dabei herauskommt, kann sich hören lassen. Eigene Kompositionen gehen über in traditionelle Lieder aus Togo oder Benin. Dazu passen die Gedichte des nigerianischen Literatur-Nobelpreisträgers Wole Soyinka oder die Gesänge der Baka-Pygmäen. Sonja Kandels singt auf Englisch, in Suaheli und auf Ewe, einem togolesischen Dialekt und führt in ihren Arrangements traditionelle Melodien aus Afrika mit jazzigen Improvisationen zusammen. Sparsam instrumentiert, zeigen sich die Kompositionen um so eindringlicher. Das Spektrum der CD reicht von schnellen Uptempo-Nummern mit perlenden Piano-Läufen wie in "Antilope" über rauchigen Barjazz "Senie" bis hin zu nachdenklich-ruhigen Stücken ("Joshua"). Auf der CD musizieren neben Sonja Kandels (Gesang und Arrangements) auch bekannte Gast-Musiker. Die vom Time-Magazin gar zu "America's Best Singer" gekürte Jazz-Sängerin Cassandra Wilson singt zum Beispiel den Titel "Sankofa", eine afrikanische Geisterbeschwörung. Für die instrumentelle Begleitung sorgen Michael Gross (Piano), Michael Haves (Bass), Kay Lübke (Schlagzeug), Arenor Anuku (Gitarre) und Abdourahmane Diop (Schlagzeug, Gesang).Sonja Kandels: "God of Laughter" (Minormusic)