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Trier
Ziemlich irre und fast schon ideal

Premiere beim Tefftival: IRRRE!, die neue Band um Lusthansa-Sängerin Jutta Pardeike, debütiert in der Tufa Trier. Lauter wird’s am Ende des Festivals mit der Metal-Karaoke-Show Rokken (hier beim Auftritt vor der Porta Nigra).
Premiere beim Tefftival: IRRRE!, die neue Band um Lusthansa-Sängerin Jutta Pardeike, debütiert in der Tufa Trier. Lauter wird’s am Ende des Festivals mit der Metal-Karaoke-Show Rokken (hier beim Auftritt vor der Porta Nigra). FOTO: Fabian Pense
Trier. Bunter Mix beim Tefftival: Metal, Indie und ein Tom-Petty-Tribute. Lusthansa-Sängerin kehrt zu den Wurzeln zurück. Von Andreas Feichtner
Andreas Feichtner

Der 23. Dezember und Livemusik – das gehört in Trier seit Jahren zusammen. Traditionell spielt dann Guildo Horn in der Europahalle (dieses Jahr schon frühzeitig ausverkauft), etwas besinnlicher geht es in der Arena bei Christmas Moments zu. Und auch das Tefftival in der Tufa hat sich seit seiner Premiere 2012 etabliert - im Gedenken an den 2011 gestorbenen Trierer Rockmusiker Helmut „Teff“ Steffgen.

Das Festival hatte bislang vor allem darauf gesetzt, legendäre Bands aus der Region nach jahrelanger, teilweise sogar jahrzehntelanger Pause wieder auf die Bühne zu bringen. Wie in den Vorjahren etwa ­Lusthansa, Sev:N:Inch, die Organic Anti Beat Box Band oder 5 im Grünen Bett. In diesem Jahr geht es weniger um Reunions, auch wenn das Tefftival – übrigens pünktlich um 20 Uhr! – mit einer Band startet, die vor fünf Jahren zum letzten Mal live gespielt hatte. Die Rückkehr der Wildflowers auf die Bühne hat einen traurigen Hintergrund. Die Tom-Petty-Tributeband um Uli Backes und Norbert Maes erinnert noch mal an die Klassiker des Anfang Oktober gestorbenen US-Songwriters Tom Petty.

Ganz neu - und zugleich zurück zu den Ursprüngen: Das trifft auf ­IRRRE! zu. Die Band, die sich dem Werk der Berliner Kultband Ideal angenommen hat, feiert in der Tufa ihre Live-Premiere. Für Sängerin Jutta Pardeike ist es aber ein Zurück zu den Wurzeln. Pardeike hatte zu NDW-Zeiten selbst einige Erfolge als Sängerin der Trierer Band Lusthansa – samt Plattendeal mit Frank Farian und insgesamt 600 Auftritten. „Aber ganz zu Beginn bestand das Lusthansa-Programm noch zur Hälfte aus Ideal-Coverversionen“, sagt Michael „Kerni“ Kernbach vom veranstaltenden Musiknetzwerk Trier, der bei IRRRE! den Bass spielt - und damit die Rolle des ebenfalls aus Trier stammenden Ideal-Bassisten Ernst Deuker übernimmt.

 „Die Idee entstand aus einer Biertischlaune heraus“, sagt Kernbach. „Jutta und ich sind große Ideal-Fans.“ So dürften in der Tufa die im Original von Annette Humpe gesungenen Klassiker wie „(Wir stehn auf) Berlin“, „Blaue Augen“, „Irre“ oder „Eiszeit“ zu hören sein. Alles gar nicht so leicht zu spielen, wie Kernbach bestätigt: „Das ist ganz schön ausgefuchst, unfassbar schnell und komplexer, als man denkt.“

Ausgefuchst, komplex und mit charismatischer Sängerin – das lässt sich auch über Vandermeer sagen, auch wenn die Trierer Band um Sängerin Harmke van der Meer mit ihrem atmosphärischen Indierock musikalisch ganz anders unterwegs ist. Eigene Stücke mit Ambition und Leidenschaft - das gilt auch für Kornelius Flowers. Die neue Band des langjährigen The-Shanes-Frontmanns Martin Schümmelfeder spielt ebenfalls bei der sechsten Auflage des Tefftivals.

Zum Abschluss geht’s dann härter zur Sache - mit der Metal-Karaoke-Show von Rokken, bei der bekannte Trierer Musiker wie Gitarrist Michael Brettner (der unter anderem auch in der Band von Matthias Reim spielt) oder Schlagzeuger Michael Stein spielen. Rokken hatte bereits in diesem Jahr am Altstadtfest-Sonntag vor der Porta Nigra ein Fernduell mit Guildo Horn, der ­parallel auf dem Viehmarkt spielte. Bis Rokken am 23. Dezember in der Tufa beginnt, dürfte der „Meister“ aber in der Europahalle fertig sein.

Tefftival VI, Samstag, 23. Dezember, 20 Uhr, Tuchfabrik Trier, großer Saal. Karten gibt es für 15 Euro an der Abendkasse.

Metal-Karaoke mit Rokken, hier beim Auftritt vor der Porta Nigra in Trier.
Metal-Karaoke mit Rokken, hier beim Auftritt vor der Porta Nigra in Trier. FOTO: Simon Engelbert / Simon Engelbert/Photogroove