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Zivilisationsmüll trifft Oper

Zivilisationsmüll trifft Oper

Die Plätze für die Einführungsmatinee zu den 11. Antikenfestspielen im Amphitheater Trier waren begehrt. Rund 400 Zuhörer lauschten den Informationen rund um die Inszenierungen von "Nabucco" und "Antigone" und verfolgten gebannt Auszüge aus den Stücken.

Trier. Hubschrauberlärm über dem Amphitheater. Stephanie Eidt (Antigone) und Claudia Felix (Ismene) rennen davon, verstecken sich. Die Darsteller zeigen die Auszüge aus dem antiken Drama "Antigone" des griechischen Dichters Sophokles so engagiert, dass sie unterbrochen werden müssen. Schließlich will das Opern-Ensemble ihr Stück "Nabucco" ebenfalls vorstellen, von Generalmusikdirektor István Dénes vom Zuschauerraum aus dirigiert.Das Publikumsinteresse ist groß an der Matinee zu den 11. Antikenfestspielen: Rund 400 Besucher möchten Einblicke in die beiden Stücke gewinnen. 100 weitere sind schon seit einer Woche vor Ort: Die "Müllmenschen" von HA Schult. Was diese mit Oper zu tun haben? "Kunst hat immer was miteinander zu tun", erklärt der Kölner Aktionskünstler. "Sie ist der Beleg für die Freiheit einer Gesellschaft." Deshalb sei Theater in der Lage, die "Trash People" zu ertragen.Das Konzept mit klassischer Oper und bekanntem Schauspiel komme an, berichtet Theater-Intendant Gerhard Weber. "Den zeitgenössischen Clash bringen die Installationen von Schult."So sei "Nabucco" ausverkauft, eine Zusatzvorstellung werde am 25. Juni gegeben. "Dieser Weg sollte weiter begangen werden." Die Doppelrolle als Festspielleiter und Oper-Regisseur gehe zusammen, wenn man den Spagat beherrsche und einen guten Orthopäden habe, witzelt er. Für Regisseurin Adelheid Müther ist die Tragödie "Antigone" die zweite Festspiel-Inszenierung nach Amphitryon. "Wir haben versucht, diese konsequente Frau zu hinterfragen", sagt sie. "Unserer Welt fehlen Antigones", stellt Chefdramaturg Peter Oppermann im Hinblick auf die Aktualität des Themas fest. "Ich bewundere diese Person", sagt Stephanie Eidt über ihre Rolle "Antigone". "Die Freiluft-Erfahrung ist genial. Dieser Ort hat Kraft, hat eine Geschichte und Freiheit zum Probieren." Tragisch wäre, wenn das Stück wetterbedingt in die Arena Trier verlegt würde, denn Mü ther bespielt die gesamte Kulisse. Mikolaj Zalasinski ("Nabucco") hat Erfahrung mit Open Airs. Die seien dramatischer, glaubt er und prophezeit: "Die Produktion an diesem wunderschönen Ort wird spektakulär." Die Rolle der Abigaille ist Vera Wenkert anvertraut; keine sympathische Figur, wie sie meint. Zurückweisungen mache sie aggressiv wie ein verwundetes Tier. Das versuche sie zu zeigen, erklärt die Sängerin.Biblischer Stoff, italienische Oper und Menschen aus Zivilisationsmüll - das passe zusammen, ist sich Weber sicher. "Die Geschichten aus der Bibel sind erschreckenderweise die von heute." Da müsse nichts aktualisiert werden. Das bleibende Thema sei mit ein Grund für die Popularität der Oper, ergänzt Dramaturg Peter Larsen. Die Dur-Tonart wirke schrill bei Verdi. Den Walzertakten hafte etwas Groteskes an. Das verbände sich gut mit den "Müllmenschen". programm:Nabucco: Premiere: 7. Juni, weitere Vorstellungen: 12., 15., 22. Juni (alle ausverkauft), Zusatzvorstellung am 25. Juni, jeweils um 21 Uhr im Amphitheater Trier. Antigone: Premiere: 14. Juni, Aufführungen: 21. und 27. Juni jeweils um 21 Uhr im Amphitheater Trier. Festspielkonzert "Römisches Trier - Italienische Nacht" 20. Juni, 21 Uhr, im Amphitheater Trier.