| 18:12 Uhr

Kultur
Zorbas, Il Greco, im Theater Trier: Liebe, Leidenschaft und das einfache Leben

Roberto Scafati, der neue Ballett-Direktor des Theaters Trier, hat eine neue eigene Choreographie geschaffen. 
Roberto Scafati, der neue Ballett-Direktor des Theaters Trier, hat eine neue eigene Choreographie geschaffen.  FOTO: TV / Marco Piecuch
Trier. Roberto Scafati hat für die Ballett-Suite „Zorbas, Il Greco“ eine eigene Choreographie geschaffen, die am nächsten Samstag Premiere hat. Von Eva-Maria Reuther

Alle Welt kennt ihn aus Michael Cacoyannis berühmtem Film: Alexis Zorbas, den Naturburschen mit dem großen Herzen und dem gesunden Menschenverstand, dem das Leben nichts mehr anhaben kann. Anthony Quinn hat der Titelfigur des Films, der nach dem 1946 erschienenen Roman von Nikos Kazantzakis entstand, für alle Zeit imposant Stimme und Gestalt verliehen. „Ich hoffe nichts, ich fürchte nichts, ich bin frei“. Kazantzakis Resümee seines Lebens ist auch das Lebensmotto des Mazedoniers Zorbas. Gleichwohl hat seine Freiheit nichts mit Weltflucht zu tun. Sich den Problemen des Lebens zu stellen und das Leben dennoch zu genießen, ist seine Devise. Mikis Theodorakis, der griechische Dichter und Komponist des Widerstandes und der Freiheit hat nicht nur die Musik zum Film geschrieben, sondern auch eine Ballett-Suite „Zorbas, Il Greco“, die in der Choreographie von Lorca Massine 1988 in Verona uraufgeführt wurde. Für das Theater Trier hat Roberto Scafati jetzt eine eigene neue Choreographie zu Theodorakis Suite erarbeitet. Mit dieser ersten Produktion, stellt sich der Choreograph und Tänzer mit seinem Ensemble dem Trierer Publikum als neuer Ballettdirektor vor. Auf der Basis der literarischen Vorlage (die zur Weltliteratur gerechnet wird) erzählt „Zorbas“ die Geschichte der ungleichen Freundschaft zwischen dem vagabundierenden Mazedonier Alexis Zorbas und dem Schriftsteller Basil, genannt „der Amerikaner“. Die beiden Männer lassen sich in einem Dorf in Kreta nieder, um dort ein aufgelassenes Kohlebergwerk zu reaktivieren, das einst Basils Familie gehörte. Der verkopfte Intellektuelle will endlich „tätig arbeiten“. Dabei kommt der kultivierte Schriftsteller mit den archaischen Strukturen des Dorfes und seinen Traditionen in Berührung und gerät in eine Reihe Konflikte. Natur und Kultur prallen aufeinander in diesem Entwicklungsroman, der zugleich eine Reflexion über das Leben ist. Ebenso vielfältig ist auch Theodorakis’ Ballett-Suite, in ihrer Mischung aus Melodik und Sinfonik, aus Folklore, Liedgesang und Chormusik. Um Vielschichtigkeit und Mehrdimensionalität geht es auch Scafati. „Ich will die Geschichte nicht einfach nur nacherzählen, sondern in ihre Tiefe vordringen und sie als komplexen Zusammenhang erfahrbar machen“, sagt er. Dazu seien zunächst die Inhalte und Aussagen zu klären. Die hält Scafati für unverändert aktuell. Tatsächlich werden im „Zorbas“ Themen verhandelt, die auch dieser Tage die Welt erschüttern. Es geht um Liebe, Leidenschaft und Hass, um Aberglauben, Lynchjustiz, die Unterdrückung der Frau und die Ausgrenzung des Fremden. Vor allem aber geht es um Freiheit im Sinne eines selbstbestimmten Lebens und um den von der Natur entfremdeten Menschen. „Die Welt ist unter die Fuchtel der Schulmeister geraten“, klagt Zorbas im Roman. Was in Kazantzakis Text wie in der Musik von Theodorakis an Emotionen, Energien, Stimmungen und Aussagen steckt, will Scafati im Zusammenspiel von Musik und Bewegung veräußern. Die Musik ist ihm dabei auch Drehbuch. Scherzhaft sagt er: „Ich choreographiere jede Note.“

13. Oktober, 19.30 Uhr, Großes Haus