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Zu Besuch beim inklusiven Theaterensemble com.guck der Lebenshilfe

Trier : Inklusives Theaterensemble com.guck: Darum geht’s im neuen Kinderstück

Das inklusive Theaterensemble com.guck bringt erstmals ein Kinderstück auf die Bühne der Tufa. Der TV war bei der Probe.

Frühjahr; die Zwetschgenbäume stehen in voller Blüte. Coby staunt, glücklich lächelnd. Im Hintergrund erklingt volkstümliche Musik. Viermal habe er seine Bäume schon gespritzt, verkündet Bauer Beier. Coby guckt skeptisch. Doch dann kommt ein Marienkäfer geflogen, setzt sich auf ihren Arm. „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs – das ist ein Siebenpünktler“, freut sie sich. In diesem Moment schlägt ihr Beier den Käfer vom Arm, zertritt ihn auf dem Boden. Sie stampft trotzig mit dem Fuß auf, schimpft: „Wie gemein! Wie unsensibel!“

Nicht nur Coby ist außer sich. Alle Insekten auf der Wiese am Waldrand mögen den Bauern nicht, der die Krabbeltiere vertreiben will. Marije Idema spielt die sympathische und umweltbewusste Coby, ihren Nachbarn Beier mimt Klaus Schorn. Der zögert. „Jetzt!“, ruft Monika Kukawka, und Schorn wischt Idema den imaginären Käfer vom Arm. Und zu Gitarrist Christoph Haupers sagt Kukawka: „Jetzt nicht mehr weiterspielen.“

Kukawka ist die Regisseurin der integrativen Theatergruppe com.guck der Lebenshilfen Trier und Trier-Saarburg sowie den Lebenshilfe-Werken Trier. Und die präsentiert in diesem Jahr ein doppeltes Novum: „Es ist unser erstes Stück, das nichts mit beeinträchtigten Menschen zu tun hat“, sagt Kukawka Und erstmals feiert das 15-köpfige Schauspielensemble mit einem Kinderstück am Freitag, 31. Januar, 18 Uhr, in der Trierer Tuchfabrik Premiere. „Mir ist es wichtig, dass Kinder Menschen mit Beeinträchtigungen auf der Bühne erleben.“

Als Themenvorschlag sei „Biene Maja“ gefallen. Doch die Rechte am Stück seien ungeklärt, sagt Kukawka. Und so hätten sie es erst gar nicht probiert und ihre eigene Geschichte mit dem Titel „In einem unbekannten Land“ entwickelt.

„Wir wollten uns in die Welt der Bienen begeben“, sagt Kukawka. „Und uns war schnell klar: Das ist ein aktuelles Thema.“ Und so geht es im Stück ums Insektensterben, die Diskussion um konventionelle Landwirtschaft und Chemiefirmen. „Wir denken uns in die Welt der Insekten“, sagt  Kukawka. Jeder durfte sich ein Insekt, ein Tier aussuchen, das er gerne spielen möchte. Deshalb gibt es auch einen Wurm (Thomas Stoll) und einen Maulwurf (Horst Ewen), der blind ist.

„Wir erarbeiten uns alle Stücke selbst“, erklärt Kukawka. „Und die Akteure bauen immer etwas Persönliches ein.“ So kümmere sich etwa Susanne Ehses gerne um ihre Mitmenschen – sie spielt eine der Ammen. Ewen sei auf der Suche nach seinem eigenen Reich und übertrage das in seine Rolle als Maulwurf.

Wie in jedem Jahr gibt es auch Debütanten im Team. Unter ihnen ist Matteo Wibert. „Er ist unsere Neuentdeckung“, sagt Kukawka, „er ist scharf aufs Theater spielen.“ Sie habe ihn zum erstem Mal in einem Projekt der Porta-Nigra-Schule gesehen. Dort habe er eine kleine Rolle gehabt. Doch als ein Schauspieler ausgefallen sei, ist Matteo eingesprungen. „Er konnte schon den kompletten Text.“ Der Elfjährige spielt mit Sonja Schneider und Organisatorin Geia Cartellieri die Ameisen.

In dem Stück habe jeder Akteur eine eigene Tierrolle und bleibe auch in dieser. Sie alle bekommen Bauchschmerzen, leiden an Schwindel. Im Bienenstock versuchen die Helferinnen alles, um den Nachwuchs zu retten. Und dann ist da noch das Sommerfest, an dem Frau Libelle (Brigitte Pelzer) ihre Lieder zum Spiel von Maestro Haupers singen will. Doch niemandem ist zum Feiern zumute, weil Bauer Beier die Tiere vernichten will und mit Giftspritze bewaffnet die Bäume einnebelt. „Spritzbacke“, „Strohbirne“, „Holzkopf“, rufen diese ihm hustend hinterher. Doch sie bekommen Genugtuung. Denn als Beier ernten will, triumphieren die Gehölze: „Keine Bienen waren da, keine Zwetschgen dieses Jahr!“ Wer zuletzt lacht, wird hier jedoch nicht verraten.

Premiere ist am Freitag, 31. Januar, 18 Uhr. Weitere Termine: 1. Februar, 16 Uhr, 2. Februar, 11 und 16 Uhr. Tickets: 9 Euro, ticket-regional.de und unter der Hotline 0651/7199-996