Zu große Werke für kleine Orgel

Zu große Werke für kleine Orgel

Trier. (gkl) Für den fünften Abend der sommerlichen Orgelkonzerte in der Konstantinbasilika kam Jürgen Wolf aus Leipzig nach Trier. Erhebliche Programmänderungen verwunderten das Publikum und taten dem Gesamteindruck keinen Gefallen.

Für viele war das Programm von Jürgen Wolf, Organist der Nicolaikirche in Leipzig, eine große Verwunderung. Das, was auf dem Programmzettel, den die Besucher des Orgelkonzertes in der Konstantinbasilika erhielten, stand, stimmte in weiten Teilen so gar nicht mit dem überein, was angekündigt worden war. Tatsächlich gab es keine Musik von Nicolas de Grigny, Wolfgang Amadeus Mozart oder Gottlieb Muffat. Statt dessen drei Mal Franz Liszt, vier Mal Louis James Alfred Lefébure-Wely und zwei Mal Johann Sebastian Bach. Warum das so war, das wusste niemand. Wolf war sich auf TV-Nachfrage nicht darüber im Klaren, dass er das Programm geändert hatte. Was die vielen Besucher des Konzertes erleben konnten, war ein Abend mit virtuosem Orgelspiel, wie man es so an diesem Instrument nicht häufig hört. Energiegeladen startete Wolf in Toccata und Fuge d-Moll, BWV 565, von Bach, jenem Bravourstück, das für so manchen der Inbegriff der Orgelmusik schlechthin ist. In fast schon gewagtem Tempo steuerte er furios jedoch immer sicher durch die Komposition. Jahrmarktsmusik bravourös interpretiert

Auch bei Liszts Präludium und Fuge über Bach, der Symphonischen Dichtung "Orpheus" und dem Pilgerchor aus Richard Wagners Oper Tannhäuser erwies sich Wolf als ein absolut verlässlicher Virtuose, dem die technischen Anforderungen keine Mühe bereiteten. Allerdings tat er den Werken mit der ihm zur Verfügung stehenden Orgel keinen Gefallen. Alle drei sind für gewaltige Instrumente konzipiert, die über klangliche Möglichkeiten verfügen, die in der Basilika nicht vorhanden sind. Ein transzendentes Pianissimo in filigranem Streicherklang ist an diesem Instrument nicht darstellbar, und die notwendige massive Gravität einer großen romantischen Orgel wäre für den Raum wünschenswert, aber nicht vorhanden. Schon erheblich besser passten da Offertoire, Marche, Communion und Sortie des Franzosen Lefébure-Wely. Seine Tonsprache muss im Kontext mit der Zeit eines Jacques Offenbach gehört werden. Insbesondere das Sortie erinnerte sehr an Jahrmarktsmusik, die Wolf bravourös und mit einem deutlichen Augenzwinkern interpretierte. Ein Abend mit unüberhörbaren Stärken, aber auch Schwächen, die mit dem eigentlich Programm nicht passiert wären.

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