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Zu Unrecht unterschätzt: Zum Tod des Trierer Komponisten Heinz Heckmann

Nachruf : Es gibt noch viel von ihm zu entdecken – Zum Tod des Trierer Komponisten Heinz Heckmann

Der Trierer Komponist Heinz Heckmann ist gestorben. Doch der Musiker hinterlässt viel: Seine Werke haben Besseres verdient als ein Dasein in der Schublade. Ein Nachruf.

In der Erinnerung des Beobachters war die Begebenheit unauffällig, fast beiläufig. Und doch war sie charakteristisch für Heinz Heckmann, seinen Umgang mit Tönen, Klängen und Rhythmen und für sein kompositorisches Selbstverständnis. Während sich das Gespräch in der Privatwohnung der Heckmanns um arbeitsrechtliche Sachverhalte drehte, setzte sich Heckmann an den Flügel und spielte einen wunderbar reinen, „singenden“ dreistimmigen Satz. Das war keine Demonstration musikalischer Handwerkskunst. Es war ein kleines Detail aus dem klingenden Kosmos, in dem Heinz Heckmann lebte, wohnte und arbeitete. Am vergangenen Samstag nur wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag, ist Heinz Heckmann gestorben. Das Musikleben der Region verliert mit ihm einen Komponisten, den es immer noch und immer wieder zu entdecken gilt.

Der Lebenslauf des Heinz Heckmann war schon früh vorgezeichnet. Erste Kompositionen datieren in den Beginn der 1950er Jahre. Von 1952 an studierte Heckmann an der Musikhochschule Saarbrücken Komposition bei Heinrich Konietzny, dem Schüler von Hindemith und Hugo Distler, außerdem im Nebenfach Fagott. Als Fagottist trat er 1960 in das Trierer Städtische Orchester ein, wechselte aber bereits 1960 in den Schuldienst. Bis zum Ruhestand im Sommer 1995 bestand das Komponistenleben Heckmanns aus Unterrichten vormittags, aus Vor- und Nachbereitung am Nachmittag und aus Komponieren abends, an Feiertagen und in den Ferien. „Ich hatte damals eine ungeheure Energie“, sagte er später.

Angesichts dieser Situation war die immense Produktivität Heckmanns ein kleines Wunder. Das „Requiem canicaeanum“ das Oratorium „Die apokalyptischen Reiter“, die „Fausta“ sind nur drei Beispiele. Heckmann komponierte kompromisslos, ohne Seitenblicke und ohne Rücksicht auf kommerzielle Interessen. Er schrieb mehr als 20 Orgelwerke, Kammermusik, Sinfonik, nicht zuletzt Chormusik, darunter den reizvollen „Epitaph von François Villon“. Als im Jahr 1984 ein 1963 (!) komponiertes Bläser-Oktett uraufgeführt wurde, reagierte das Publikum enthusiastisch. „Bürgerschreck als Publikumsliebling“ titelte damals der Trierische Volksfreund (TV). Dabei war Heckmann nie, was man herablassend einen Vielschreiber nennt. Seine Musik stellt an Ausführende und Hörer hohe und für manche allzu hohe Ansprüche.

So zieht sich über die glänzende Werkbilanz des Komponisten Heckmann ein Schatten: „Die Hälfte meiner Kompositionen sind noch nie aufgeführt worden“. Er sagte es ohne Bitterkeit. Und erinnert an Musiker, die ihm nahestanden. An Domorganist Josef Still, an Manfred May und den Trierer Konzertchor – nicht zuletzt an den Domchor und Klaus Fischbach. Sie hatten Heckmanns „Requiem“ nach der missglückten Uraufführung mit dem Theater-Ensemble eindrucksvoll rehabilitiert. Schließlich war die Zusammenarbeit mit der Mädchen-Kantorei im Freiburger Dom ein Grund zur Freude. Aber bei aller Dankbarkeit – entscheidend war diese Hilfestellung nicht. Für Heckmann hatte Musik immer einen Wert an sich. Und Komponieren war für ihn der ganz persönliche Beitrag zur großen und großartigen Welt der Klänge. Ihr vor allem blieb er verpflichtet.

 Seine Musik stellt an Ausführende und Hörer hohe Ansprüche: Heinz Heckmann am Flügel.
Seine Musik stellt an Ausführende und Hörer hohe Ansprüche: Heinz Heckmann am Flügel. Foto: g_kultur <g_kultur3@volksfreund.de>

Der schmerzliche Einbruch traf ihn und seine Frau im Jahr 2013. Heckmann stürzte auf einer Treppe und war spätestens ab 2016 an das Bett gefesselt. An Komponieren war in dieser Situation nicht mehr zu denken. Die geplante Josef-Kantate nach einem Text von Franz Ronig blieb Fragment. Und das Trierer Musikleben verhielt sich merkwürdig passiv. „Bis jetzt wurde keine Komposition mehr von ihm aufgeführt“, sagt Ehefrau Liesel Heckmann. Dabei bieten sich manche Stücke geradezu an. Das „Requiem canicaeanum“, die „Apokalyptischen Reiter“, die „Fausta“ lohnen die Aufführung ganz gewiss. Die Orgelwerke haben Besseres verdient als ein Dasein in der Schublade. Die Kammermusik, vor allem das Bläser-Oktett glänzen mit intelligentem Witz. Und die Chormusik a-cappella, vor allem der „Epitaph von François Villon“, ist ein Schatz, der unbedingt gehoben werden müsste. Heinz Heckmann – das Trierer Musikleben hat an diesem vielfach unterschätzten Komponisten immer noch sehr viel wiedergutzumachen.