1. Region
  2. Kultur

"Zum Lesen erweckt" im Theater: Ein Blick in Kafkas Seelenleben

"Zum Lesen erweckt" im Theater: Ein Blick in Kafkas Seelenleben

Die Literatur Franz Kafkas gilt vielen als wenig zugängliche, schwere Kost. Ensemblemitgliedern des Theaters Trier ist es gelungen, in der Reihe "Zum Lesen erweckt" mit ihren empathischen Vorträgen den knapp 50 Zuhörern eine Tür zu seiner Seelenwelt zu öffnen.

Trier. Seelenqualen, Schuldgefühle, Beunruhigendes und Bedrohendes prägen die (literarische) Welt von Franz Kafka (1883-1924). Die Stücke, die für die Veranstaltung im Foyer des Theaters Trier ausgewählt wurden, erzählen von zermürbenden Zweifeln und bedrückenden Situationen. Roter Faden des Abends war Kafkas Konflikt mit Autoritäten, vor allem sein schwieriges Verhältnis zum Vater.
Den Vortrag von Passagen aus Kafkas "Brief an den Vater" teilten sich Vanessa Daun und Angelika Schmid - und stellten mit ihrem unterschiedlichen Duktus zwei mögliche Interpretationen vor: Sich rechtfertigend und eindringlich um Verständnis bittend. Oder vorwurfsvoll, wütend, verletzt.
Briefe an die Geliebte


Manfred-Paul Hänig trug Ausschnitte aus den "Briefen an Milena" vor, die Kafka 1920 an seine Geliebte, die Prager Journalistin Milena Jesenská, schrieb - ein weiteres beredtes Zeugnis seiner Selbstzweifel.
Äußerst empathisch und mitreißend war Klaus-Michael Nix Lesung von Kafkas "Verwandlung", der Geschichte von Gregor Samsa, der eines Morgens erwacht und feststellen muss, dass er zu einem "ungeheuren Ungeziefer" verwandelt ist - und zu allem Überfluss auch noch hilflos auf seinem "panzerartig harten Rücken" im Bett liegt. Alle Gefühlsnuancen spitzte Nix genial zu - und offenbarte so ebenfalls die komischen, wenn auch immer makabren Passagen, die einen trotz aller geschilderten menschlichen Grausamkeiten auflachen ließen.
Schmerzlich-verstörend


Evelyn Czesla sang zwei "Motetten nach Worten von Franz Kafka" von Ernst Krenek, Ketevan Rukhadze spielte am Flügel Stücke der tschechischen Komponisten Josef Suk und Erwin Schulhoff - eine Musikauswahl, die die schmerzlich-verstörenden, sich manchmal in Komik entladenden Verstrickungen in der Literatur Kafkas betonte.
Zum Schluss gab Peter Oppermann einen Ausblick auf die nächste Saison, in der die Lesereihe fortgesetzt werden soll. Dann dürfen sich die Zuhörer auf Hesse, Camus und Goethe freuen. arn