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Zum Tod des Musikers Bill Withers („Ain‘t No Sunshine“, „Just the Two of Us“ oder „Lean on Me“)

Musikerlegende : „Er ist der letzte afro-amerikanische Jedermann“

(dpa) Innerhalb von rund 20 Jahren schrieb Bill Withers alle seine Welthits wie am Fließband: „Ain‘t No Sunshine“, „Just the Two of Us“ oder „Lean on Me“. Dann zog er sich fast komplett aus der Öffentlichkeit zurück.

Seit 1985 lebte der Musiker zurückgezogen und privat in den Bergen von Los Angeles, nur 2015 trat er ausnahmsweise noch einmal kurz auf, bei seiner Aufnahme in die Ruhmeshalle des Rock and Roll Hall.

Am Montag ist Withers im Alter von 81 Jahren in Los Angeles an Herzbeschwerden gestorben, wie die Recording Academy, die die Grammy-Auszeichnungen vergibt, mitteilte. Withers sei ein „legendärer Sänger und Songschreiber“ gewesen und habe eine „bemerkenswert einflussreiche Karriere“ gehabt. Seine Familie schrieb: „Er war ein Einzelgänger, dessen Herz sich durch seine Poesie und Musik mit der gesamten Welt verbinden wollte, er hat ernsthaft mit den Menschen gesprochen und sie miteinander verbunden. “

„Die Welt hat eine Legende verloren“, schrieb die frühere Bewerberin um die Kandidatur der Demokraten für die US-Präsidentschaftswahl, Kamala Harris, bei Twitter. „Was ein ergreifender Schreiber, dessen Songs jetzt relevanter als je zuvor sind“, schrieb die Musikerin Alicia Keys und auch Kollege John Legend schrieb, er trauere. Withers sei „so ein unglaublicher Songschreiber und Geschichtenerzähler“ gewesen. „Ich bin so dankbar, dass er sein Talent mit der Welt geteilt hat.“

Die Entscheidung, sich aus der Musikbranche zurückzuziehen, habe er nie bereut, betonte Withers immer wieder. „Ich bin aufgewachsen im Zeitalter von Barbra Streisand, Aretha Franklin und Nancy Wilson“, sagte er einmal. „Das war eine Zeit, als eine fette, hässliche Tussi, die singen konnte, noch wertgeschätzt wurde. Jetzt geht alles um Image. Das hat keine Poesie. Es ist einfach nicht meine Zeit.“

Geboren wurde der Musiker 1938 als jüngstes von sechs Kindern eines Bergarbeiters im armen Kohlebergwerksort Slab Fork in West Virginia. Schon dort beeindruckte ihn die Musik. „Wir lebten direkt an der Grenze zwischen der schwarzen und der weißen Nachbarschaft. Ich habe die Jungs Country-Musik spielen gehört, und in der Kirche hörte ich Gospel. Überall war Musik.“ Aber als er 13 war, starb sein Vater und Withers musste Aushilfsjobs annehmen, um die Familie zu unterstützen. Zudem stotterte er stark, wogegen er bis ins hohe Alter ankämpfte.

Mit 17 ging Withers zur Marine, danach baute er Flugzeugteile in Kalifornien. Als er zufällig mitbekam, wie viel mehr Geld einige Musiker verdienten, brachte er sich selbst Gitarre und Klavier bei und begann, Songs zu schreiben. Tagsüber verdiente er das Geld, das er nachts in die Aufzeichnung seiner Songs steckte – bis einige Jahre später Sussex Records auf ihn aufmerksam wurde. In den folgenden rund 20 Jahren veröffentlichte Withers acht Alben, hatte zahlreiche Hits, spielte umjubelte Konzerte auf der ganzen Welt und gewann drei Grammys. „Ich kann nicht Gitarre oder Klavier spielen, aber ich habe eine Karriere daraus gemacht, Songs auf Gitarre und Klavier zu schreiben. Ich habe Musik nie gelernt, sondern einfach gemacht.“

Stars wie Lionel Hampton, Barbra Streisand, Etta James, Will Smith, Michael Jackson, Tom Jones, Liza Minnelli, Diana Ross und Mick Jagger coverten Songs von Withers – und Dutzende weitere lassen sich bis heute von seiner Musik beeinflussen. „Er ist der letzte afro-amerikanische Jedermann“, sagte Rapper Questlove einmal. „Bill Withers ist für Schwarze das, was Bruce Springsteen am nächsten kommt.“ Auch Sänger Sting lobte Withers: „Das schwerste am Songschreiben ist, einfach und gleichzeitig tiefgründig zu sein. Und Bill schien instinktiv zu verstehen, wie das geht.“

Withers sei wie Stevie Wonders, Michael Jackson oder die Beatles, sagte Sänger Ed Sheeran. „Niemand kann sagen, dass er nicht von ihm beeinflusst worden ist. Denn auch wenn man kein Fan ist, irgendwann ist man von jemandem beeinflusst worden, der von ihm beeinflusst worden ist.“

(dpa)