Zurück in die Zukunft

In "X-Men: Zukunft ist Vergangenheit", der heute in den deutschen Kinos startet, begibt sich einer der Protagonisten auf Zeitreise. Ein Thema, das in der Filmgeschichte nicht zum ersten Mal auftaucht.

 Die wilden Siebziger: So fesch sahen die „X-Men“-Mutanten Beast (Nicholas Hoult), Professor Charles Xavier (James McAvoy) und Wolverine (Hugh Jackman) in jungen Jahren aus (von links). Foto: 20th Century Fox

Die wilden Siebziger: So fesch sahen die „X-Men“-Mutanten Beast (Nicholas Hoult), Professor Charles Xavier (James McAvoy) und Wolverine (Hugh Jackman) in jungen Jahren aus (von links). Foto: 20th Century Fox

Die Idee einer Zeitmaschine ist so alt wie das Kino selbst. Als der Schriftsteller H.G. Wells im Mai 1895 "The Time Machine" veröffentlicht, ahnt er nicht, dass noch im selben Jahr eine Apparatur folgt, die seinem Traum vom Reisen durch die Zeit recht nahekommt. Ein halbes Jahr nach Wells\' Romandebüt führen die Brüder Max und Emil Skladanowsky im Berliner Wintergarten erstmals kommerziell Filme vor. Kurz vor Jahresende erreicht das neue Medium durch die Brüder Auguste und Louis Lumière auch die französische Kapitale. Wie kein anderes zuvor ermöglicht es seinen Rezipienten, mittels einer Maschine einen Blick in eine andere Zeit zu werfen.
Weg vom puren Zufall


Die Vorstellung, sich durch die Zeit zu bewegen, findet sich schon in der hinduistischen Mythologie. Neu an Wells\' Roman ist aber die Technik. Sind in vergleichbaren Geschichten Magie, ein langer Schlaf oder purer Zufall die Auslöser für Zeitreisen, ist es bei ihm ein Apparat. Ein entscheidendes Kriterium geht Wells\' Vorläufern zudem ab: Die Bewegung durch die Zeit ist nicht gesteuert, eine gezielte Rückkehr somit ausgeschlossen. Wie das Kino ist Wells\' Idee unverkennbar ein Produkt der Industrialisierung. Doch das neue Medium bleibt dieser Idee gegenüber zunächst verschlossen.
Der erste nennenswerte Zeitreisefilm taucht 1921 auf: eine Verfilmung von Mark Twains "Ein Yankee am Hofe König Artus". Wells\' "Time Machine" muss gar bis 1960 auf eine Kinoversion warten (siehe Extra). Ab 1950 nimmt die Thematik stetig zu, richtig Fahrt nehmen Zeitreisen im Film aber erst ab den 1980ern auf.
Zwei Voraussetzungen sind nötig: Albert Einsteins Relativitätstheorie und deren Popularisierung sowie der Versuch, Zeitreisen aus billigen Science-Fiction-Filmen ins Blockbusterkino zu überführen. Mit James Camerons "Terminator" (1984) und Robert Zemeckis Reihe "Zurück in die Zukunft" (1985-1990) kommen sie im Mainstream an.
Allem technischen Fortschritt zum Trotz findet in Zeitreisefilmen neben Maschinen auch heute noch regelmäßig das Übernatürliche Platz. Im neuen "X-Men" sind es die Kräfte einer Mutantin, die den Helden zurück in die Vergangenheit schicken.Extra

Das Kino hat seit seinen Anfängen einige sehenswerte Auseinandersetzungen mit dem Thema Zeitreisen hervorgebracht. Zehn Filme, die man gesehen haben sollte: "Die Zeitmaschine" (1960): Trashige Effekte mit Kultpotenzial, "Am Rande des Rollfelds" (1962): Prämierte Vorlage zu "12 Monkeys", "Flucht in die Zukunft" (1979): H.G. Wells jagt Jack the Ripper, "Time Bandits" (1981): Mit Zwergen auf Geschichtstrip, "Terminator" (1984): Killermaschine aus der Zukunft, "Zurück in die Zukunft" (1985): Teenager trifft durchgeknallten Wissenschaftler, "Die Besucher" (1993): Mark Twain auf den Kopf gestellt: Ritter in der Gegenwart, "12 Monkeys" (1995): Zurück aus der Apokalypse, "Donnie Darko" (2001): Labiler Teenager trifft Hasen, "Butterfly Effect" (2004): Eine Zeitreise löst eine fatale Kettenreaktion aus. fas