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Zusammenhangloses "Best of"

Zusammenhangloses "Best of"

Johann Sebastian Bachs Werke denen seines Sohnes Carl Philipp Emanuel gegenüberzustellen, ist interessant. Trotzdem war der Abend in der Luxemburger Philharmonie merkwürdig.



Trier. (gkl) Ein schales Gefühl hinterließ das Konzert des Münchner Kammerorchesters (MKO) in der Luxemburger Philharmonie. Wobei die Sinfonie G-Dur, Wq 182, vom Bachsohn am Beginn des Abends das Beste war und belegte, dass mit dem MKO unter Leitung von Alexander Liebreich ein exzellentes Ensemble zu Gast war.

Frisch, stilgerecht und historisch informiert erklang das Werk. Es war jedoch die einzige vollständige Komposition des Programms. Was dann unter Mitwirkung der Solisten Hilary Hahn (Violine), Mojica Erdmann und Matthias Goerne (Sopran und Bariton) folgte, erweckte den Anschein eines "The best of". Wie eine Häppchenplatte bei einem Empfang gab es hier ein bisschen Pfingsten und da ein bisschen Trauer (Bachkantaten 59 und 157), mit Kantate 32 war die Epiphanie vertreten, und mit den Arien "Erbarme dich" und "Gebt mir meinen Jesum wieder" musste die Matthäuspassion, BWV 244, herhalten. Dass hier einzelne Teile aus Gesamtkonzepten herausgerissen wurden, schien die Akteure nicht weiter zu stören.

Musikalisch war der Abend bei aller technischen Brillanz der Solisten leider auch kein Hochgenuss. Ohne sich an den Vorgaben des MKO zu orientieren, überzog Hahn ihr Spiel mit breitem, vibratogeschwängertem Ton; Goernes für Schubert sicherlich bestens geeigneter Bariton war hier viel zu cremig.

Störend auch seine ständigen Tänzeleien, die vielleicht bei einer Opernaufführung passen. Einzig bei Erdmann, die für die erkrankte Christiane Schäfer eingesprungen war, konnte man gelegentlich jene Klarheit in der Stimme entdecken, die für Bachs Musik erforderlich ist. Merkwürdig mutete die Tatsache an, dass das MKO, abgesehen von der bestens agierenden Continuogruppe weit mehr, als die Hälfte der Zeit tatenlos auf der Bühne herumsaß. Selbstverständlich gab es herzlichen Beifall in der ausverkauften Philharmonie. Überzeugen aber konnte der Abend nur an wenigen Stellen.